Künstler der Zeitgenössischen Malerei
Seit den 1960er Jahren hat sich die Malerei immer wieder gegen ihre eigene Abschaffung behaupten müssen. Während Konzeptkunst, Performance und neue Medien das Tafelbild für überholt erklärten, antworteten Maler mit einer Erneuerung von innen: Sie holten die Figur zurück, sprengten das Format, übermalten die eigene Tradition oder unterwanderten die Grenze zwischen Abstraktion und Gegenstand. Was dabei entstand, war keine einheitliche Bewegung, sondern ein Feld konkurrierender Positionen, die sich gegenseitig herausforderten.
Dabei entwickelten sich regional und inhaltlich sehr unterschiedliche Ansätze. In Deutschland konfrontierten Maler die Nachkriegsgeschichte mit expressiver Wucht und konzeptueller Schärfe, während in Großbritannien der menschliche Körper zum Gegenstand einer schonungslosen figurativen Malerei wurde. Andere Positionen verbanden sozialistische Bildwelten mit surrealen Szenerien, übermalten obsessiv eigene und fremde Bilder oder bauten monumentale Porträts aus tausenden winziger Farbeinheiten auf. Ob gestische Abstraktion oder hyperrealistisches Porträt, ob mythologisches Pathos oder konzeptuelle Kühle – die zeitgenössische Malerei beweist, dass das älteste Medium der Kunst noch immer das unberechenbarste ist. Hier findest du einen kurzen Überblick über unsere Auswahl der wichtigsten Künstler der zeitgenössischen Malerei.
Wichtige Vertreter der Zeitgenössischen Malerei
- Gerhard Richter bewegt sich seit Jahrzehnten zwischen fotorealistischer Malerei und radikaler Abstraktion, ohne sich je auf eine Position festzulegen. Sein Werk stellt die Frage, was Bilder zeigen können und was sie verbergen, und machte ihn zum meistdiskutierten Maler der Gegenwart.
- Francis Bacon malte den menschlichen Körper als deformierte, in gläserne Käfige gesperrte Kreatur. Seine albtraumhaften Figuren, die sich vor monochromen Hintergründen winden, gehören zu den verstörendsten Bildern des 20. Jahrhunderts.
- Lucian Freud malte den menschlichen Körper mit einer schonungslosen Direktheit, die jede Pore, jede Falte und jede Schwellung sichtbar macht. Seine Aktporträts verwandeln die Verletzlichkeit nackter Haut in eine eindringliche Studie menschlicher Präsenz.
- Cy Twombly übersetzte Mythos, Poesie und Mittelmeerkultur in gestische Linien, Kritzeleien und zarte Farbschlieren auf meist großen, hellen Bildfeldern. Seine Werke bewegen sich zwischen Schrift und Zeichnung, zwischen Kontrollverlust und höchster Raffinesse.
- Georg Baselitz malt seit den 1960er Jahren seine Motive konsequent auf dem Kopf stehend und zwingt den Betrachter, Malerei als formales Ereignis statt als Abbildung zu sehen. Seine expressive Figurenmalerei steht in bewusstem Widerspruch zu jeder Spielart der Abstraktion.
- Anselm Kiefer verarbeitet deutsche Geschichte, Mythologie und Poesie in monumentalen Gemälden und Installationen voller Blei, Asche und Stroh. Seine schwergewichtigen Werke konfrontieren Verdrängung und Erinnerung mit einer kompromisslosen materiellen Wucht.
- Markus Lüpertz versteht sich als Malerfürst und verteidigt den Primat der Malerei mit expressiver Geste und mythologischem Pathos. Seine Bilder greifen antike Motive und deutsche Nachkriegsgeschichte auf und übersetzen sie in eine kraftvoll-eigenwillige Formensprache.
- Arnulf Rainer übermalte eigene und fremde Bilder, Fotografien und Totenmasken mit gestischen Farbschüttungen und obsessiven Strichlagen. Seine Übermalungen sind zugleich Akt der Zerstörung und der Neuschöpfung.
- Frank Stella brach mit seinen „Black Paintings“ Ende der 1950er Jahre radikal mit dem Expressiven und erklärte: Was man sehe, sei alles, was da sei. Von der strengen Streifenmalerei entwickelte er sich zu raumgreifenden, farbexplosiven Reliefs und Skulpturen.
- Peter Doig schafft traumhaft verdichtete Landschaften, die Erinnerung, Filmbilder und malerische Tradition ineinander verweben. Seine atmosphärischen, farbintensiven Gemälde haben figurative Malerei in der zeitgenössischen Kunst wieder diskursfähig gemacht.
- Neo Rauch verbindet in seinen großformatigen Gemälden sozialistische Bildwelten mit surrealen Szenerien. Seine rätselhaften Kompositionen, in denen Arbeiterfiguren und traumhafte Landschaften aufeinandertreffen, begründeten den internationalen Ruf der Neuen Leipziger Schule.
- Marlene Dumas malt Figuren nach Fotografien und Medienbildern und übersetzt sie in emotional aufgeladene, oft verstörende Gemälde. Ihre Arbeiten kreisen um Sexualität, Rassismus und Tod und zeigen die menschliche Figur in all ihrer Verletzlichkeit.
- Maria Lassnig malte ein Leben lang das, was sie „Körperbewusstsein“ nannte – die Empfindung des eigenen Körpers von innen heraus. Ihre Figurenbilder in unerwarteten Farben machen Schmerz, Unbehagen und Lebendigkeit auf eine Weise sichtbar, die erst spät internationale Anerkennung fand.
- Cecily Brown malt mit einer ungezügelten gestischen Energie, die figürliche Motive – oft erotische Szenen – in Strudel aus Farbe und Bewegung auflöst. Ihre Gemälde verhandeln die Traditionen der Malerei von Rubens bis de Kooning mit unverhohlener Sinnlichkeit.
- John Currin malt technisch virtuose Figurenbilder, die Renaissance-Ästhetik mit grotesker Überzeichnung und provokanter Erotik verbinden. Seine Gemälde bewegen sich bewusst an der Grenze zwischen Meisterschaft und Geschmacklosigkeit.
- Christopher Wool brachte Wörter in großen schwarzen Lettern auf weiße Leinwände und ließ sie bewusst stolpern und auseinanderbrechen. Seine Arbeiten zwischen Schrift, Muster und Abstraktion hinterfragen die Möglichkeiten der Malerei nach ihrem vermeintlichen Ende.
- Chuck Close entwickelte eine einzigartige Methode, monumentale Porträts aus Tausenden winziger Farbeinheiten aufzubauen, die zwischen Abstraktion und Fotorealismus oszillieren. Seine rasterbasierte Technik verwandelt das menschliche Gesicht in ein komplexes Mosaik aus Farbe und Form.