Joseph Beuys
Ein Klassenzimmer ohne Wände, ein Gespräch ohne festgelegtes Ende, Materialien, die schmolzen, flossen, erstarrten. Joseph Beuys, der 1921 in Krefeld zur Welt kam und in Kleve aufwuchs, entwickelte mit der Sozialen Plastik ein Konzept, das Kunst als gesellschaftlichen Vorgang dachte, nicht als fertiges Objekt. Filz und Fett wurden bei ihm zu Bedeutungsträgern, Honig und Kupfer zu Leitern eines energetischen Denkens. Die Mythen um seine Person gehörten zum Werk wie das Material selbst. Als Lehrer an der Kunstakademie Düsseldorf, als Aktionskünstler und öffentlicher Denker verschob er das Bewusstsein dafür, was Kunst sein kann, wohin sie reichen darf.
Wichtige Werke und Ausstellungen
Das Werk umfasst Aktionen, Rauminstallationen und Eingriffe in den öffentlichen Raum, wobei die Grenze zwischen bildender Kunst und gesellschaftlicher Intervention selten klar gezogen werden kann. Zeichnungen auf kleinen Blättern stehen neben stadtweiten Pflanzungen, rituelle Handlungen neben stillen Objekten in Vitrinen. Wiederkehrend tauchen Fragen nach Wärme, Transformation und kollektiver Gestaltung auf.
- Tor für das Büdericher Mahnmal (1959) – Alter Kirchturm, Meerbusch-Büderich
- Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt (1965) – Galerie Schmela, Düsseldorf
- Infiltration Homogen für Konzertflügel (1966) – Privatbesitz
- Eurasienstab (Fluxorum organum opus 39) (1968) – Privatbesitz
- The Pack (Das Rudel) (1969) – Neue Galerie, Kassel
- Straßenbahnhaltestelle (1976) – Biennale Venedig, Deutscher Pavillon
- Honigpumpe am Arbeitsplatz (1977) – documenta 6, Kassel
- 7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung (1982–1987) – Kassel
Joseph Beuys' künstlerische Entwicklung
Beuys‘ Weg als Künstler lässt sich nicht als gradlinige Karriere lesen. Er durchlief Phasen tiefer Krisen, stiller Zeichenarbeit und öffentlicher Konfrontation. Sein Leben und seine Kunst griffen dabei so eng ineinander, dass biografische Erfahrungen, politische Überzeugungen und ästhetische Entscheidungen kaum voneinander zu trennen sind.
Die folgenden Abschnitte zeichnen diese Entwicklung nach, von der Kindheit am Niederrhein über die Fluxus-Jahre bis zur Arbeit an den 7000 Eichen in Kassel.
Kindheit, Krieg und der Flugzeugabsturz-Mythos
Joseph Beuys wuchs in Kleve am Niederrhein auf, in einer Gegend, deren flache Landschaft, Moore und Tierwelt sein späteres Bildvokabular prägen sollten. Schon als Jugendlicher interessierte er sich für Naturwissenschaften, sammelte Pflanzen und Insekten und zeichnete. Der Zweite Weltkrieg unterbrach diese frühe Neugier. Beuys meldete sich als Bordfunker bei der Luftwaffe und erlebte den Krieg aus nächster Nähe.
Die Erzählung von Filz und Fett
Nach einem Flugzeugabsturz auf der Krim im Jahr 1944 entstand die berühmte Erzählung, Tataren hätten ihn mit Filz eingewickelt und mit Fett eingerieben, um ihn vor dem Erfrieren zu bewahren. Die historische Überprüfbarkeit dieser Geschichte ist umstritten. Beuys selbst hat sie im Laufe seines Lebens immer wieder variiert und ausgeschmückt.
Entscheidend ist weniger die Frage, ob es genau so geschah, sondern welche Funktion diese Erzählung für sein Werk übernahm. Sie wurde zum Gründungsmythos seiner künstlerischen Identität. Filz und Fett, die beiden Materialien der Rettungsgeschichte, verwandelte Beuys in zentrale Bedeutungsträger seines gesamten Schaffens. Die Mythen um seine Person gehörten bei Beuys immer zum Werk dazu, sie waren bewusst gesetzte Elemente, nicht beiläufige Anekdoten.
Die 1950er Jahre als stille Suchbewegung
Nach dem Ende des Krieges begann Beuys 1946 ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Ewald Mataré, einem der wichtigsten deutschen Bildhauer der Nachkriegszeit. Mataré stand für eine strenge, formreduzierte Tradition der Monumentalbildhauerei. Beuys wurde sein Meisterschüler und arbeitete zunächst an Auftragswerken wie dem Tor für das Büdericher Mahnmal, einem Werk, das noch der gegenständlichen Bildhauerei verpflichtet ist.
Zeichnung und Anthroposophie nach dem Studium
Die Jahre nach dem Abschluss waren keine Phase des Aufstiegs, sondern eine Zeit der inneren Krise und der Neuorientierung. Beuys zog sich auf einen Bauernhof in Kleve zurück und durchlitt eine schwere persönliche und künstlerische Erschöpfung. In dieser Phase entstanden Hunderte von Zeichnungen, oft auf kleinen Blättern und in feinen Linien.
Tiere, Pflanzen, energetische Flussdiagramme, Beuys entwickelte eine ganz eigene zeichnerische Sprache, die naturwissenschaftliche Beobachtung und spirituelle Suche verband. Sein intensives Studium der Anthroposophie (der von Rudolf Steiner begründeten Weltanschauung, die Geist, Natur und Kunst als zusammenhängend begreift) lieferte ihm dabei ein philosophisches Gerüst.
Die Idee, dass alle Lebensprozesse von Wärmekräften und Energieflüssen durchzogen sind, wurde zum Fundament seines späteren Werkverständnisses. Ohne diese stille Dekade der 1950er wäre der öffentliche Beuys der 1960er kaum denkbar gewesen.
Fluxus-Bewegung und der erweiterte Kunstbegriff
Anfang der 1960er Jahre wandte sich Beuys der Fluxus-Bewegung zu, einer internationalen Gruppe von Künstlern, Musikern und Performern, die den traditionellen Kunstbetrieb unterlaufen wollte. Fluxus (vom lateinischen Wort für „fließen“) verstand Kunst als Prozess und Handlung, nicht als fertiges Objekt. Konzerte wurden zu Happenings (also offene Veranstaltungen, bei denen die Grenze zwischen Künstler und Publikum verschwamm), Gegenstände des Alltags zu künstlerischem Material.
Die Aktion mit dem toten Hasen
Beuys nutzte den Fluxus-Rahmen, ging aber rasch über ihn hinaus. Seine Aktionen, darunter die legendäre Performance „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ von 1965 in der Galerie Schmela in Düsseldorf, hatten eine Ernsthaftigkeit und rituelle Dichte, die sie vom spielerischen Charakter vieler Fluxus-Veranstaltungen unterschied.
Bei dieser Aktion saß Beuys drei Stunden lang mit einem toten Hasen auf dem Arm in der Galerie, den Kopf mit Honig und Blattgold bedeckt, und erklärte dem Tier leise die ausgestellten Bilder. Die Besucher konnten durch das Schaufenster zusehen, aber nicht eintreten. Das Gespräch fand zwischen Mensch und Tier statt, nicht zwischen Künstler und Betrachter. Die Reaktion der Öffentlichkeit war gespalten, Faszination und Kopfschütteln lagen dicht beieinander.
Aus diesen Kunstaktionen heraus formulierte Beuys seinen erweiterten Kunstbegriff. Die Idee dahinter besagt im Kern, dass Kunst sich nicht auf das beschränkt, was im Museum hängt. Jede kreative Handlung, jedes Denken und Gestalten im sozialen Miteinander ist ein plastischer Vorgang. „Jeder Mensch ist ein Künstler“ wurde zum bekanntesten Zitat von Beuys, und es meint nicht, dass jeder malen kann, sondern dass jeder die Fähigkeit besitzt, die Gesellschaft als Ganzes mitzuformen.
Lehre und Konflikt an der Kunstakademie Düsseldorf
1961 wurde Beuys als Lehrer auf den Lehrstuhl für Monumentalbildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf berufen, dieselbe Hochschule, an der er selbst studiert hatte. Sein Unterricht glich keiner herkömmlichen Professorenarbeit. Beuys öffnete seine Klasse für alle Bewerber, auch für solche, die von der Akademie abgelehnt worden waren. Er sah in der freien Zugänglichkeit der Bildung ein Grundprinzip, das er „permanente Konferenz“ nannte, einen offenen Raum für Diskussion, Experiment und gemeinsames Denken.
Die Entlassung 1972 und ihre Folgen
Der Konflikt war vorprogrammiert. Als Beuys 1972 über hundert abgelehnte Studienbewerber in seine Klasse aufnahm und sich weigerte, die Entscheidung der Hochschule zu akzeptieren, eskalierte die Situation. Das Wissenschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen entließ ihn fristlos. Beuys klagte und gewann Jahre später einen Vergleich, doch an die Akademie kehrte er nicht mehr als regulärer Professor zurück.
Die Entlassung machte ihn paradoxerweise noch bekannter. Sie rückte die Frage ins öffentliche Bewusstsein, wem Bildung gehört und welche Freiheit Kunst an einer staatlichen Institution haben darf. Viele seiner Schüler, darunter Jörg Immendorff, Blinky Palermo und Imi Knoebel, entwickelten eigenständige künstlerische Positionen, die ohne diese offene Lehrstruktur kaum denkbar gewesen wären.
Politisches Engagement und direkte Demokratie
Beuys beschränkte sein Ziel einer gestaltenden Kunst nicht auf den Galerieraum. Bereits 1967 gründete er die „Deutsche Studentenpartei“, eine satirisch anmutende, aber ernst gemeinte Initiative, die auf die Verschränkung von Kunst und Politik zielte. 1971 folgte die „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“, die er bei der documenta 5 in Kassel als permanentes Informationsbüro betrieb.
Dort führte Beuys hundert Tage lang Gespräche mit Besuchern über Demokratie, Kapital und gesellschaftliche Verantwortung. Kunst war für ihn immer auch ein politisches Werkzeug, kein Rückzugsort, sondern ein Eingriff in die Gegenwart.
7000 Eichen in Kassel und die Idee der Stadtverwaldung
Mit der Pflanzaktion „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ setzte Beuys ab 1982 im Rahmen der documenta 7 in Kassel seine Theorie der Sozialen Plastik in einen konkreten, stadtweiten Eingriff um. Jeder der 7000 Bäume wurde neben einer Basaltstele gepflanzt, einem rohen Steinblock, der die Verbindung zwischen organischem Wachstum und mineralischer Beständigkeit sichtbar machen sollte. Die Aktion dauerte fünf Jahre, sie war teuer, bürokratisch aufwendig und stieß bei Teilen der Kasseler Bevölkerung auf Widerstand.
Genau das war Beuys‘ Absicht. Skulptur, so sein Argument, entsteht nicht im Atelier, sondern im gesellschaftlichen Prozess. Die Bäume wachsen noch heute und verändern den Raum der Stadt mit jedem Jahr. Es ist eines der wenigen Kunstwerke des 20. Jahrhunderts, das buchstäblich lebt. Beuys erlebte das Ende der Pflanzung nicht mehr. Die letzte Eiche wurde 1987 gesetzt, ein Jahr nach seinem Tod, von seinem Sohn Wenzel.
Stilmerkmale von Joseph Beuys
Beuys‘ Werk entzieht sich den üblichen Kategorien der bildenden Kunst. Seine Stilmerkmale lassen sich weniger an formalen Eigenschaften festmachen als an wiederkehrenden Prinzipien, die sein gesamtes Schaffen durchziehen.
Materialsymbolik und Prozesshaftigkeit
Das auffälligste Merkmal ist seine Materialsymbolik. Filz, Fett und Honig sind bei Beuys keine willkürlich gewählten Stoffe, sondern Träger einer „Wärmetheorie“, die Skulptur als energetischen Prozess begreift. Fett etwa kann schmelzen, fließen, erstarren, es verkörpert den Übergang zwischen Zuständen, der für Beuys das Wesen jeder Veränderung ausmacht.
Eng damit verbunden ist die Prozesshaftigkeit seiner Arbeit. Beuys schuf keine abgeschlossenen Objekte, sondern offene Situationen. Aktionen, Environments (also raumgreifende Installationen, die den Betrachter umgeben) und partizipative Gespräche gehören ebenso zu seinem Werk wie feste Skulpturen.
Mythologische Aufladung und zeichnerisches Fundament
Ein weiteres Stilmerkmal ist die mythologische Aufladung. Biografische Elemente, Tiersymbole und schamanistische Gesten verschmelzen zu einer persönlichen Ikonografie. Auch die Vitrinen, in denen Beuys Relikte und Materialien aus seinen Aktionen konservierte, sind eigenständige Werkformen, eine Art Gedächtnisspeicher für Ideen. Seine Zeichnungen, oft in feinen Linien und mit diagrammatischen Strukturen, bilden das stille Fundament dieses Denkens.
Techniken und Materialien
Beuys‘ Techniken und Materialien lassen sich nicht sauber von seiner Theorie trennen. Die Wahl eines bestimmten Stoffs war immer auch eine inhaltliche Entscheidung.
Die Beuyssche Wärmetheorie in der Materialwahl
Er arbeitete mit Filz, Fett, Kupfer, Basalt, Honig, Schokolade, Blattgold und zahlreichen Alltagsobjekten. Filz und Fett fungierten dabei als Schlüsselmaterialien, weil sie auf die Beuyssche Wärmetheorie verweisen, die Idee, dass Skulptur auf Energieumwandlung beruht, ähnlich wie ein Körper Wärme speichert und abgibt. Kupfer kam als Leiter energetischer Prozesse zum Einsatz, Basalt als mineralischer Gegenpol zum Organischen. Zeichnungen auf Papier, Kreidetafeln und Partituren begleiteten Beuys‘ Aktionen und sind eigenständige Werkgruppen.
Multiples und Sprache als demokratisches Medium
Daneben spielten Multiples (also Auflagenobjekte, die in größerer Stückzahl hergestellt wurden) eine zentrale Rolle. Postkarten, kleine Objekte, Drucke und Schachteln mit symbolischem Inhalt machten Beuys‘ Ideen für ein breites Publikum zugänglich. Sie waren bewusst erschwinglich gehalten und entsprachen seinem Anspruch, Kunst zu demokratisieren.
Die Edition Schellmann hat zahlreiche seiner Multiples dokumentiert und publiziert. Sprache, Diskussion und öffentliches Gespräch waren für Beuys ebenso wichtige Medien wie jedes physische Material. Er verstand sie als plastische Vorgänge, als formgebende Handlungen in der Gesellschaft.
Beuys‘ Einfluss und Vermächtnis
Beuys‘ Wirkung auf die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts lässt sich an konkreten Personen, Institutionen und Entwicklungen ablesen. Sein Einfluss reicht weit über den deutschen Kunstbetrieb hinaus.
Schüler und direkte Nachfolge an der Düsseldorfer Akademie
An der Kunstakademie Düsseldorf formte Beuys eine Generation von Künstlern, die seine Impulse in ganz unterschiedliche Richtungen weiterentwickelten. Jörg Immendorff, sein Schüler, verband Malerei und politisches Engagement in einer Weise, die ohne Beuys‘ Vorbild kaum vorstellbar wäre. Blinky Palermo übernahm die Freiheit im Umgang mit Materialien, löste sich aber von der performativen Dimension und konzentrierte sich auf radikale Farb- und Stoffarbeiten.
Imi Knoebel trieb die Reduktion auf geometrische Grundformen voran. Auch Katharina Sieverding, die mit Beuys‘ Umfeld in Berührung kam, entwickelte ihre medienübergreifende Arbeit aus dem Geist dieser offenen Lehre heraus.
Internationale Resonanz und die documenta-Auftritte
Beuys‘ Teilnahmen an der documenta in Kassel, insbesondere 1972, 1977 und 1982, machten ihn zu einer internationalen Figur. Das Landesmuseum in Darmstadt und die Sammlung Marx in Berlin begannen schon zu seinen Lebzeiten, umfangreiche Werkgruppen zusammenzutragen.
Die Honigpumpe am Arbeitsplatz, 1977 auf der documenta 6 installiert, verband Installation, Aktion und politisches Forum in einem einzigen Environment, das über hundert Tage lang bespielt wurde. Parallel zu Beuys‘ internationaler Präsenz wuchs auch das Interesse an seinem Werk in den USA, wo er zeitweise ähnlich polarisierte wie Andy Warhol, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Während Warhol die Oberfläche der Konsumkultur zur Kunst erhob, zielte Beuys auf die Tiefenstruktur gesellschaftlicher Prozesse.
Die Soziale Plastik als Erbe
Was ist Soziale Plastik bei Beuys? Im Kern die Überzeugung, dass menschliches Handeln, Sprechen und Denken formgebende Kraft besitzt. Dieses Konzept wirkte über die bildende Kunst hinaus. Gemeinschaftsgärten, partizipative Stadtplanung, soziale Kunstprojekte, in all diesen Feldern lässt sich die Idee der Sozialen Plastik wiederfinden, oft ohne dass Beuys‘ Name fällt.
Das Museum Schloss Moyland am Niederrhein bewahrt heute den größten Teil seines zeichnerischen Nachlasses und bietet eine der wichtigsten Retrospektiven seines Schaffens. In Bonn, Darmstadt und Berlin sind weitere umfangreiche Sammlungsbestände zugänglich. Die Edition Schellmann hat zahlreiche seiner Multiples dokumentiert und publiziert.
Joseph Beuys Platz in der Kunstgeschichte
Beuys veränderte die Vorstellung davon, was Kunst sein kann. Sein erweiterter Kunstbegriff ebnete den Weg für partizipative Praktiken, soziale Interventionen und eine Kunst, die die Grenze zwischen ästhetischem Raum und gesellschaftlicher Wirklichkeit auflöst. Die Strömungen der Social Practice Art und der ökologischen Kunst wären ohne seine Vorarbeit kaum denkbar.
Künstler wie Thomas Hirschhorn, Olafur Eliasson oder das Kollektiv Assemble arbeiten heute in Feldern, die Beuys als einer der ersten betreten hat. Seine Idee, dass gesellschaftliche Gestaltung selbst ein künstlerischer Akt ist, prägt bis heute Projekte im öffentlichen Raum, in der Umweltkunst und in gemeinschaftsbasierten Initiativen weltweit. Sein Einfluss zeigt sich nicht in stilistischer Nachahmung, sondern in der grundsätzlichen Frage, die er der Kunst gestellt hat. Joseph Beuys starb am 23. Januar 1986 in Düsseldorf im Alter von 64 Jahren.
QUICK FACTS
- 1921: Geburt in Krefeld, Aufwachsen in Kleve am Niederrhein
- 1941–1945: Einsatz als Bordfunker bei der Luftwaffe; Flugzeugabsturz auf der Krim 1944; Kriegsgefangenschaft in Cuxhaven
- 1946–1953: Studium der Monumentalbildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Ewald Mataré; Abschluss als Meisterschüler
- 1950er: Rückzug nach Kleve; intensive Zeichenarbeit, Studium der Anthroposophie und Naturwissenschaften; persönliche Krise
- 1961–1972: Berufung als Professor für Monumentalbildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf; Anschluss an die Fluxus-Bewegung; Entlassung 1972 nach Konflikt um Studienplatzvergabe
- 1965–1968: Zentrale Aktionen, darunter „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ (1965) und „Eurasienstab“ (1968)
- 1967–1971: Gründung der „Deutschen Studentenpartei“ (1967) und der „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ (1971)
- 1977: Teilnahme an der documenta 6 mit „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ sowie „Richtkräfte – 100 Tafeln“
- 1982–1987: Start der Pflanzaktion „7000 Eichen“ zur documenta 7 in Kassel; Fertigstellung 1987 nach Beuys‘ Tod
- Januar 1986: Tod in Düsseldorf im Alter von 64 Jahren; sein Todestag wird seitdem regelmäßig mit Ausstellungen und Veranstaltungen gewürdigt
Erwähnte Künstler
Lust auf mehr? Hier findest du die im Text verlinkten Vorbilder, Zeitgenossen und Nachfolger mit eigenen Kurzbiografien.
- Andy Warhol – Zeitgenosse, konträrer Gegenpol im internationalen Kunstdiskurs
- Olafur Eliasson – Verbindet Kunst und Ökologie im Geist der Sozialen Plastik