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Edgar Degas

Edgar Degas, geboren 1834 in Paris, gilt als einer der einflussreichsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Er war ein Meister der Malerei, Bildhauerei und Zeichnung, der sich nie auf eine Technik oder ein Genre festlegen ließ. Degas‘ Werk ist besonders für seine Darstellungen von Tänzerinnen, Rennpferden und dem Nachtleben bekannt. Er war ein scharfer Beobachter des Alltags und verlieh seinen Kunstwerken durch den gekonnten Einsatz von Farbe, Komposition und Perspektive eine besondere Lebendigkeit. Seine Balletttänzerinnen und die Szenen des Pariser Nachtlebens zeigen eine intime und oft unverklärte Sicht auf die Menschen und ihre Bewegungen.

10 wichtige Werke und Ausstellungen

  1. Die Tanzklasse (1874) – Musée d’Orsay, Paris
  2. Die Reitbahn (1866-1868) – Metropolitan Museum of Art, New York
  3. Das Orchester der Oper (1870) – Musée d’Orsay, Paris
  4. Die Stern (1878) – Musée d’Orsay, Paris
  5. Die kleine vierzehnjährige Tänzerin (1881) – National Gallery of Art, Washington, D.C.
  6. Frauen auf der Tribüne (1869) – Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt am Main
  7. Tänzerin mit Blumenstrauß (1877) – Metropolitan Museum of Art, New York
  8. Porträt von Mlle. Fiocre (1867) – Brooklyn Museum, New York
  9. Die Badenden (1884) – Hill-Stead Museum, Farmington
  10. Pferderennen in Longchamp (1873) – Art Institute of Chicago

Künstlerische Entwicklung

Frühe Karriere und Ausbildung

Degas wurde in eine wohlhabende Familie hineingeboren. Sein Vater, ein Bankier, unterstützte zunächst seinen Wunsch, ein Jurastudium zu absolvieren. Doch Edgar fühlte sich mehr zur Kunst hingezogen. 1855, im Alter von 21 Jahren, begann er sein Kunststudium an der École des Beaux-Arts in Paris. Dort widmete er sich intensiv der Zeichnung, was sich in der Detailgenauigkeit und Präzision seiner späteren Werke widerspiegelt. Seine Vorliebe für klare Linien und exakte Bildkompositionen entwickelte er während seiner Studienreise nach Italien, wo er die Meisterwerke der Renaissance in Florenz und Neapel studierte.

In Italien verbrachte er viel Zeit mit der Kopie berühmter Gemälde auf Papier und Leinwand. Diese Praxis schärfte nicht nur sein Auge für Komposition, sondern auch für das Spiel von Licht und Schatten, das später zu einem Markenzeichen seiner Kunstwerke wurde. Degas‘ Interesse an der Darstellung des Körpers in Bewegung wurde auch durch die Renaissance-Meister beeinflusst, die er in Florenz bewunderte. Vor allem die Werke Michelangelos und Leonardos faszinierten ihn und prägten seine Art, den menschlichen Körper darzustellen.

Wichtige Stationen und Werke

In den 1860er-Jahren wandte sich Edgar Degas immer stärker der Darstellung moderner Szenen zu. Er wurde bekannt für seine einzigartigen Einblicke in das Pariser Nachtleben und für seine Bilder von Ballerinas, die sowohl auf der Bühne als auch hinter den Kulissen zu sehen waren. Besonders faszinierte ihn das Ballett mit seinen komplexen Bewegungen und der Anmut der Tänzerinnen. Er malte sie oft in Öl auf Leinwand, aber auch Pastell auf Papier wurde eine bevorzugte Technik von ihm, da sie ihm erlaubte, die flüchtigen Bewegungen der Balletttänzerinnen mit weichen Linien und schimmernden Farben einzufangen.

Sein Gemälde „Die Tanzklasse“ (1874) zeigt einen Meister in Aktion. Es bildet nicht nur die Eleganz der Tänzerinnen, sondern auch die Disziplin und Anstrengung ab, die hinter jeder Bewegung steckt. Das Bild spiegelt Degas‘ unvergleichliches Talent wider, Körperhaltungen und Bewegungen mit äußerster Präzision darzustellen. Auch in seinen Pastellzeichnungen experimentierte er mit ungewöhnlichen Perspektiven, indem er etwa die Tänzerinnen von oben oder seitlich zeigt, was den dynamischen Charakter der Bilder unterstreicht.

Ein weiteres ikonisches Motiv in Degas‘ Werk waren die Pferderennen und Jockeys. Er schuf zahlreiche Studien und Gemälde, die das Rennen und die Spannung des Augenblicks festhielten. „Rennpferde vor dem Start“ (1862) ist ein Beispiel dafür, wie Degas die elegante Bewegung der Tiere und die Spannung vor dem Rennen in einer meisterhaften Komposition festhielt. In seinen Darstellungen von Jockeys und Pferden zeigte sich seine Faszination für die Energie und das Tempo, die mit dem Rennsport verbunden sind.

Degas und die Darstellung von Bewegung

Die Darstellung von Bewegung war für Edgar Degas ein zentrales Thema. Er studierte sorgfältig die Körperhaltung von Tänzerinnen und Jockeys, um die Eleganz und Dynamik ihrer Bewegungen auf Leinwand und Papier zu bannen. Sein Werk „Die kleine vierzehnjährige Tänzerin“ (1881), eine Skulptur aus Wachs, ist vielleicht die bekannteste Verkörperung seiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Bewegung. Die Skulptur, die das Porträt einer jungen Balletttänzerin darstellt, wurde aufgrund ihrer Realitätsnähe sowohl bewundert als auch kritisiert. Degas‘ Werke erwecken oft den Eindruck, als wären sie Momentaufnahmen inmitten einer Bewegung, eingefroren in der Zeit.

In den 1870er-Jahren intensivierte Degas seine Arbeit mit Pastellen. Diese Technik erlaubte es ihm, weiche Farbübergänge zu schaffen, die perfekt geeignet waren, um die fließenden Bewegungen seiner Motive – insbesondere der Tänzerinnen – einzufangen. Seine Pastellarbeiten, wie „Die Stern“ (1878), zeugen von einer einzigartigen Beherrschung des Mediums. Die zarten, fast durchscheinenden Schichten aus Pastellkreide verliehen den Tänzerinnen eine fast ätherische Anmut, die ihre Bewegung auf der Bühne lebendig werden ließ.

Der Einfluss von Edgar Degas auf den Impressionismus

Degas‘ Einfluss auf den Impressionismus ist unbestreitbar, auch wenn er sich selbst nie vollständig mit dieser Bewegung identifizierte. Anders als viele seiner Zeitgenossen, die das Licht und die Farben der Natur festhielten, zog Degas es vor, Szenen des modernen Stadtlebens darzustellen – sei es das Nachtleben der Pariser Oper oder die Tänzerinnen, die sich hinter der Bühne auf ihren Auftritt vorbereiteten. Seine Kunstwerke fangen oft die Spannung und den Stress des Alltags ein und stellen das Leben in einer dynamischen, oft auch melancholischen Art und Weise dar.

Edgar Degas war auch eng mit Künstlern wie Édouard Manet verbunden, der ihn maßgeblich beeinflusste. Die beiden verband eine enge Freundschaft, und Manets realistischer Ansatz zur Malerei beeinflusste Degas‘ Darstellung von Szenen des modernen Lebens. Manets Porträts und seine nüchterne Sicht auf die Gesellschaft inspirierten Degas zu seinen realistischen Darstellungen des Pariser Alltags.

Stilmerkmale

  • Detailgenauigkeit: Degas‘ Werk zeichnet sich durch eine akribische Präzision in der Darstellung der menschlichen Anatomie und der Bewegung aus.
  • Farbgebung: Die zarte, aber zugleich kräftige Anwendung von Pastellfarben verleiht seinen Darstellungen von Tänzerinnen und Pferderennen eine unvergleichliche Leichtigkeit und Lebendigkeit.
  • Ungewöhnliche Perspektiven: Degas verwendete oft überraschende Blickwinkel, die dem Betrachter einen neuen Zugang zu den Szenen ermöglichen.
  • Moderne Themen: Szenen aus dem Nachtleben, das Pariser Ballett und das Rennsportmilieu waren bevorzugte Motive.
  • Bewegungsstudien: Seine Bilder fangen flüchtige Bewegungen ein, als wären sie im Augenblick eingefroren, was eine besondere Dynamik erzeugt.

Techniken und Materialien

Degas‘ Arbeit umfasste eine Vielzahl von Techniken und Materialien. Neben der Ölmalerei auf Leinwand verwendete er auch Pastell und Kreide auf Papier, um die Nuancen von Bewegung und Licht einzufangen. Die Pastellmalerei war eines seiner bevorzugten Medien, besonders in seinen späteren Jahren, als er zunehmend auf die Darstellung von Tänzerinnen und Szenen des Balletts konzentrierte. In seinen Pastellen konnte Degas die fließenden Bewegungen der Ballerinas, die weichen Übergänge von Licht und Schatten sowie die Transparenz der Tüllröcke meisterhaft darstellen.

Degas' Einfluss und Vermächtnis

Edgar Degas hinterließ ein reiches künstlerisches Erbe, das weit über den Impressionismus hinausgeht. Seine Darstellungen von Tänzerinnen und Rennpferden prägten die Art und Weise, wie Bewegung und Alltag in der Kunst dargestellt werden. Besonders seine Experimente mit Perspektive und Bildkomposition inspirierten spätere Generationen von Künstlern. Picasso und Matisse schätzten seine Fähigkeit, das scheinbar Alltägliche mit einer solchen Intensität darzustellen, dass es eine neue Bedeutung erlangte. Degas‘ Einfluss zeigt sich auch in der Entwicklung der modernen Skulptur, insbesondere durch seine realistischen Darstellungen des menschlichen Körpers.

Edgar Degas: Die wichtigsten Fakten

Edgar Degas war ein Künstler, der in seinem Werk das moderne Leben des 19. Jahrhunderts auf unvergleichliche Weise einfing. Er verstand es, die Banalität des Alltags in Kunstwerke zu verwandeln, die voller Dynamik und emotionaler Tiefe sind. Seine unkonventionellen Perspektiven, die minutiöse Detailgenauigkeit und seine intensive Auseinandersetzung mit Bewegung machten ihn zu einem wegweisenden Künstler seiner Zeit. Degas schuf Kunst, die nicht nur das Auge, sondern auch den Verstand forderte. Seine Fähigkeit, den weiblichen Körper in all seinen Facetten darzustellen – sei es auf der Bühne oder im Alltag – hob ihn von seinen Zeitgenossen ab. Besonders in seinen späteren Jahren, als er sich vermehrt der Pastelltechnik und der Skulptur zuwandte, zeigte sich seine Meisterschaft im Umgang mit Form und Farbe. Seine Werke beeinflussten Generationen nachfolgender Künstler und leisteten einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der modernen Kunst. Edgar Degas starb 1917 in Paris im Alter von 83 Jahren.

  • Edgar Degas wurde 1834 in Paris geboren und war ein führender Maler, Bildhauer und Zeichner des 19. Jahrhunderts.
  • Er ist bekannt für seine Gemälde und Pastellzeichnungen von Tänzerinnen, Rennpferden und Szenen des Pariser Nachtlebens.
  • Degas experimentierte mit Öl, Pastell und Skulptur, um Bewegung und Körperhaltungen präzise festzuhalten.
  • Obwohl er oft den Impressionisten zugerechnet wird, bewahrte er sich eine eigene künstlerische Identität und lehnte Freilichtmalerei ab.
  • Er verstarb 1917 im Alter von 83 Jahren in Paris.


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