Alexej von Jawlensky
Alexej von Jawlensky war ein russisch-deutscher Maler des Expressionismus, geboren am 13. März 1864 in Torzhok, Russland. Seine Werke zeichnen sich durch kräftige Farben und expressive Formen aus, die das menschliche Antlitz in den Mittelpunkt stellen. Als Mitglied der Künstlergruppen „Der Blaue Reiter“ und später „Die Blaue Vier“ beeinflusste er die moderne Kunst maßgeblich. Seine intensive Auseinandersetzung mit Farbe und Form machte ihn zu einem bedeutenden Wegbereiter der abstrakten Malerei.
Wichtige Werke und Ausstellungen
- Schokko mit rotem Hut (1909) – Museum Wiesbaden, Wiesbaden
- Porträt Alexander Sacharoff (1909) – Museum Wiesbaden, Wiesbaden
- Schokko mit breitrandigem Hut (1910) – Museum Wiesbaden, Wiesbaden
- Violetter Turban (1911) – Museum Wiesbaden, Wiesbaden
- Kopf in Blau (1912) – Museum Wiesbaden, Wiesbaden
- Selbstbildnis (1912) – Museum Wiesbaden, Wiesbaden
- Braune Locken (1913) – Museum Wiesbaden, Wiesbaden
- Variation (1916) – Museum Wiesbaden, Wiesbaden
- Heilandsgesicht: Märtyrer (1919) – Museum Wiesbaden, Wiesbaden
- Medusa (1923) – Museum Wiesbaden, Wiesbaden
Künstlerische Entwicklung
Frühe Karriere und Ausbildung
Alexej von Jawlensky wuchs in einer Familie mit militärischer Tradition auf. Ursprünglich sollte er eine militärische Laufbahn einschlagen, doch ein Besuch der Allrussischen Industrie- und Kunstausstellung in Moskau 1882 weckte seine Begeisterung für die Malerei. Trotz seiner Verpflichtung beim Militär begann er autodidaktisch zu zeichnen und besuchte regelmäßig die Tretjakow-Galerie, um sich künstlerisch weiterzubilden.
1889 erhielt er eine Versetzung nach Sankt Petersburg, wo er als mittelloser Offizier die Kunstakademie besuchen konnte. Dort lernte er den bedeutenden russischen Realisten Ilja Repin kennen, der ihm empfahl, sich der Malerei intensiver zu widmen. Während dieser Zeit traf er auch Marianne von Werefkin, eine wohlhabende Malerin, die seine Fähigkeiten erkannte und zu seiner Mentorin wurde. Werefkin gab ihre eigene künstlerische Laufbahn für mehrere Jahre auf, um Jawlensky zu unterstützen.
Wichtige Stationen und Werke
1896 zog Jawlensky mit Werefkin nach München, wo er an der Malschule des slowenischen Künstlers Anton Ažbe studierte. Hier begegnete er Wassily Kandinsky, mit dem er eine enge künstlerische Freundschaft pflegte. Die Münchner Künstlerszene dieser Zeit war geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit der französischen Avantgarde, was sich auch in Jawlenskys Stil niederschlug.
Zwischen 1903 und 1905 reiste er mehrfach nach Paris, wo er Werke von Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Henri Matisse studierte. Besonders die leuchtenden Farben und die flächige Malweise Gauguins beeinflussten ihn stark. Zurück in Deutschland, verbrachte er zwischen 1908 und 1910 die Sommer in Murnau mit Kandinsky, Gabriele Münter und Franz Marc. Diese Zeit war wegweisend für seine Entwicklung hin zum Expressionismus.
Mit der Gründung des „Blauen Reiters“ im Jahr 1911 wurde Jawlensky Teil einer der wichtigsten Künstlerbewegungen des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeiten in dieser Zeit zeichnen sich durch einen zunehmend expressiven Stil aus, der sich in Werken wie „Schokko mit rotem Hut“ manifestierte.
Während des Ersten Weltkriegs musste er als russischer Staatsbürger Deutschland verlassen und zog mit Werefkin in die Schweiz, wo er in Saint-Prex am Genfersee lebte. In dieser Phase entstanden die „Variationen über ein landschaftliches Thema“, eine Werkserie, die eine Vorstufe zu seinen späteren „Abstrakten Köpfen“ bildete.
In den 1920er-Jahren zog Jawlensky nach Wiesbaden, wo er seine Spätwerke schuf. Trotz schwerer Arthritis, die ihn zunehmend in seiner Bewegungsfreiheit einschränkte, entwickelte er die Serie „Meditationen“, in der er sich auf das menschliche Gesicht als Ausdruck spiritueller Erfahrung konzentrierte.
Stilmerkmale
- Farbintensität: Verwendung kräftiger, leuchtender Farben, die Emotionen ausdrücken.
- Formvereinfachung: Reduktion der Formen auf das Wesentliche, oft mit klaren Linien.
- Spirituelle Tiefe: Einfluss religiöser Ikonen, sichtbar in seinen Porträts und Köpfen.
- Serielle Arbeitsweise: Entwicklung von Werkserien mit variierenden Motiven und Farben.
Techniken und Materialien
Jawlensky arbeitete hauptsächlich mit Ölfarben auf Leinwand. In seinen späteren Jahren verwendete er auch leinenstrukturiertes Papier als Bildträger. Seine Malweise zeichnete sich durch breite Pinselstriche und eine pastose Farbauftragung aus, die den expressiven Charakter seiner Werke unterstrich.
Jawlenskys Einfluss und Vermächtnis
Jawlenskys Fokus auf das menschliche Gesicht als Ausdrucksträger beeinflusste zahlreiche Künstler seiner Zeit und danach. Seine Mitgliedschaft in bedeutenden Künstlergruppen wie „Der Blaue Reiter“ und „Die Blaue Vier“ trug zur Verbreitung expressionistischer Ideen bei. Besonders beeinflusste er Wassily Kandinsky, Paul Klee und Franz Marc, die in ihrer eigenen Kunst von seiner Farb- und Formensprache inspiriert wurden. Auch Emil Nolde und Henri Matisse zeigten in ihren Werken Parallelen zu Jawlenskys expressivem Stil. Sein Werk verbindet russische Ikonentradition mit westlicher Moderne, was ihm einen besonderen Platz in der Kunstgeschichte sichert.
Alexej von Jawlensky: Die wichtigsten Fakten
- Geboren am 13. März 1864 in Torzhok, Russland.
- Studierte an der Kunstakademie in Sankt Petersburg.
- Zog 1896 nach München und traf dort Wassily Kandinsky.
- Mitglied der Neuen Künstlervereinigung München und des „Blauen Reiters“.
- Schuf Serien wie „Mystische Köpfe“ und „Heilandsgesichter“.
- Seine Werke zeichnen sich durch kräftige Farben und vereinfachte Formen aus.
- Verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Wiesbaden.
- Sein Werk beeinflusste zahlreiche Künstler des 20. Jahrhunderts.
Alexej von Jawlensky suchte in der Kunst nicht das Abbild, sondern das Wesen – eine innere Wahrheit, die sich in Farbe, Form und Blick offenbart. Mit konsequenter Reduktion und leuchtender Intensität verwandelte er das menschliche Gesicht in ein meditatives Zeichen zwischen Geist und Materie. Seine Werke sprechen nicht laut, aber sie halten stand – als stille Ikonen einer modernen, suchenden Zeit. In der Verbindung von orthodoxer Bildtradition und expressionistischer Geste schuf Jawlensky eine Bildsprache, die weit über das Sichtbare hinausreicht. Alexej von Jawlensky starb am 15. März 1941 in Wiesbaden im Alter von 77 Jahren.