Künstler des Abstrakten Expressionismus
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich das Zentrum der Kunstwelt von Paris nach New York. Eine Gruppe amerikanischer Künstler brach radikal mit den europäischen Traditionen und machte die Leinwand zum Schauplatz reiner Emotion und körperlicher Geste. Die Abstrakten Expressionisten suchten keine Abbildung der Wirklichkeit, sondern einen unmittelbaren Ausdruck innerer Zustände. Ihre Bilder sind oft großformatig, kraftvoll und von einer Intensität, die den Betrachter körperlich spürbar trifft.
Innerhalb der Bewegung entwickelten sich dabei zwei grundlegend verschiedene Ansätze. Die Action Painter um Jackson Pollock und Willem de Kooning arbeiteten mit spontaner Geste, Tropftechnik und energiegeladenem Farbauftrag, während die Farbfeldmaler um Mark Rothko und Barnett Newman auf stille, meditative Farbflächen setzten, die eine fast spirituelle Wirkung entfalten. Ob entfesselte Bewegung oder kontemplative Ruhe – die Künstler des Abstrakten Expressionismus veränderten das Verständnis davon, was Malerei sein kann, und legten den Grundstein für die amerikanische Vorherrschaft in der Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hier findest du einen kurzen Überblick über unsere Auswahl der wichtigsten Künstler des Abstrakten Expressionismus.
Wichtige Vertreter des Abstrakten Expressionismus im Überblick
- Jackson Pollock revolutionierte die Malerei mit seiner Drip-Technik, bei der er Farbe auf am Boden liegende Leinwände tropfte und schleuderte. Seine großformatigen Arbeiten verwandeln den Malprozess selbst in ein körperliches Ereignis und lösen die Grenze zwischen Bild und Geste auf.
- Mark Rothko schuf großflächige Farbkompositionen, die den Betrachter in einen meditativen Zustand versetzen. Seine schwebenden Farbfelder mit weichen, vibrierenden Rändern zielen auf eine emotionale und fast spirituelle Erfahrung jenseits jeder gegenständlichen Darstellung.
- Willem de Kooning bewegte sich rastlos zwischen Abstraktion und Figuration. Seine energiegeladenen Pinselstriche und die rohe Kraft seiner Frauenserie verbinden gestische Wildheit mit einer Auseinandersetzung um die menschliche Figur, die er nie ganz aufgeben wollte.
- Franz Kline reduzierte seine Malerei auf monumentale Schwarz-Weiß-Kompositionen von brachialem Ausdruck. Seine breiten Balkenstrukturen erinnern an Stahlträger und Brückenkonstruktionen und übertragen die Energie der amerikanischen Großstadt auf die Leinwand.
- Barnett Newman setzte auf radikale Reduktion und teilte seine Farbflächen mit schmalen vertikalen Linien, die er „Zips“ nannte. Seine Arbeiten fordern den Betrachter heraus, sich auf reine Farbe und Fläche einzulassen, und ebneten den Weg für die Minimal Art.
- Clyfford Still entwickelte eine kompromisslose Bildsprache aus zerklüfteten, aufbrechenden Farbflächen. Seine Werke entstanden bewusst abseits des New Yorker Kunstbetriebs und zählen zu den eigenständigsten Positionen innerhalb des Abstrakten Expressionismus.
- Robert Motherwell verband intellektuelle Reflexion mit gestischer Malerei. Seine berühmte Serie „Elegien für die Spanische Republik“ zeigt in wiederkehrenden Schwarz-Weiß-Formen eine poetische Auseinandersetzung mit Verlust, Tod und politischer Erinnerung.
- Helen Frankenthaler erfand die Soak-Stain-Technik, bei der sie verdünnte Farbe direkt in die ungrundierte Leinwand sickern ließ. Ihre fließenden Farblandschaften verbinden die Spontaneität des Action Painting mit einer lyrischen Leichtigkeit, die eine ganze Generation von Farbfeldmalern beeinflusste.
- Lee Krasner entwickelte über Jahrzehnte eine eigenständige abstrakte Bildsprache aus rhythmischen Formen und kraftvollen Collagen. Ihr Werk steht für eine konsequente künstlerische Suche, die weit über ihre oft betonte Rolle als Ehefrau Jackson Pollocks hinausreicht.
- Philip Guston wandte sich nach Jahren lyrischer Abstraktion einer rohen, figurativen Malerei zu, die seine Zeitgenossen verstörte. Seine späten Bilder mit ihren cartoonhaften Formen und alltäglichen Gegenständen nahmen den Neo-Expressionismus der 1980er Jahre vorweg.