Leonardo da Vinci

Ein Flügel, der sich hebt und senkt, ein Wasserwirbel, der sich in immer gleichen Spiralen dreht, das Zucken eines Muskels unter der Haut. Leonardo da Vinci beobachtete die Welt, als ließe sich in jeder Bewegung ein Gesetz ablesen. Was er sah, zeichnete er, und was er zeichnete, versuchte er zu verstehen. Diese Haltung machte ihn zu einer Gestalt, die weit über die Hochrenaissance hinausragt. Seine Malerei war Forschung, seine Forschung wurde Bild. Florenz, Mailand, Rom, Frankreich, die Stationen wechselten, doch die Frage blieb dieselbe, ein Leben lang, ohne dass sie je eine endgültige Antwort fand.

Wichtige Werke und Ausstellungen

Die Gemälde und Zeichnungen umfassen religiöse Szenen, Porträts, anatomische Studien und technische Entwürfe. Wiederkehrend ist das Interesse am Übergang, an dem, was zwischen Licht und Schatten liegt, zwischen Ruhe und Bewegung, zwischen dem Sichtbaren und dem, was sich dahinter verbirgt.

  • Mona Lisa (ca. 1503–1506, evtl. bis 1517) – Louvre, Paris
  • Das Abendmahl (1495–1498) – Santa Maria delle Grazie, Mailand
  • Vitruvianischer Mensch (ca. 1490) – Gallerie dell’Accademia, Venedig
  • Die Dame mit dem Hermelin (ca. 1489–1491) – Czartoryski-Museum, Krakau
  • Die Felsgrottenmadonna (ca. 1483–1486; 2. Fassung: ca. 1495–1508) – Louvre, Paris / National Gallery, London
  • Der Heilige Johannes der Täufer (ca. 1513–1516) – Louvre, Paris
  • Die Anbetung der Könige (ca. 1481) – Uffizien, Florenz
  • Ginevra de‘ Benci (ca. 1474–1478) – National Gallery of Art, Washington D.C.

Leonardo da Vincis künstlerische Entwicklung

Die künstlerische Laufbahn Leonardos lässt sich wie eine Reise durch die kulturellen Zentren Italiens lesen. Von der Werkstatt in Florenz über die Höfe in Mailand und Rom bis zu seinen letzten Jahren in Frankreich entwickelte er kontinuierlich neue Ansätze, um Geschichten in Bildern zu erzählen und technische Probleme zu lösen. Seine Entwicklung als Künstler war untrennbar mit seinem wissenschaftlichen Forscherdrang verbunden.

In Florenz lernte er die Grundlagen der Perspektive und Anatomie, in Mailand vertiefte er sein Verständnis für Mechanik und Hydraulik, während er gleichzeitig seine malerischen Fähigkeiten perfektionierte. Leonardo betrachtete seine Erfindungen und künstlerischen Werke als zwei Seiten derselben Medaille – beide dienten dem Verständnis und der Darstellung der Natur.

Seine Skizzenbücher zeigen, wie fließend die Grenzen zwischen technischer Zeichnung und künstlerischer Studie waren. Ein Entwurf für eine Flugmaschine konnte sich auf derselben Seite befinden wie eine anatomische Studie einer Hand oder die Kompositionsskizze für ein Gemälde. Diese historische Integration verschiedener Wissensbereiche machte ihn zum Prototyp des Renaissance-Universalgelehrten und beeinflusste Generationen nachfolgender Künstler und Wissenschaftler, die in ihm das Ideal des vollständigen Menschen sahen.

 

Frühe Jahre und Ausbildung bei Andrea del Verrocchio

Als unehelicher Sohn des Notars Ser Piero und der Bäuerin Caterina wuchs Leonardo zunächst bei seinem Vater auf. Mit vierzehn Jahren trat er in die Bottega von Andrea del Verrocchio ein – eine der angesehensten Werkstätten von Florenz. Hier lernte er nicht nur das Handwerk der Malerei, sondern auch Bildhauerei und Goldschmiedekunst. Bei der gemeinsamen Arbeit an der „Taufe Christi“ (ca. 1472-1475) malte der junge Leonardo einen Engel, dessen Qualität selbst den Meister Verrocchio beeindruckte. Giorgio Vasari berichtet später, Verrocchio habe danach nie wieder zum Pinsel gegriffen – eine Anekdote, die zwar übertrieben sein mag, aber Leonardos frühes Talent unterstreicht.

In dieser Florentiner Phase entwickelte Leonardo bereits seinen charakteristischen Stil. Die „Verkündigung“ (ca. 1472-1475) zeigt seine Vorliebe für detailreiche Landschaften im Hintergrund, während die „Benois-Madonna“ (ca. 1478-1480) erste Experimente mit der Darstellung von Emotionen durch Blicke und Gesten offenbart. Als Linkshänder entwickelte er früh seine eigentümliche Spiegelschrift – eine Gewohnheit, die seine späteren Notizbücher für Außenstehende zu einem Rätsel machte.

 

Erste Mailänder Periode und Das Abendmahl

1482 verließ Leonardo Florenz und trat in die Dienste von Ludovico Sforza, genannt „il Moro“, dem Herzog von Mailand. In seinem Bewerbungsschreiben präsentierte er sich interessanterweise primär als Militäringenieur und erwähnte seine künstlerischen Fähigkeiten nur am Rande. Diese Selbstdarstellung zeigt, wie Leonardo sich bereits als vielseitiger Problemlöser verstand, nicht nur als Maler.

Am Mailänder Hof entfaltete sich sein Genie in voller Breite. Er entwarf Festdekorationen, arbeitete an einem monumentalen Reiterstandbild für Francesco Sforza (das nie vollendet wurde) und schuf zwei seiner berühmtesten Gemälde. die „Dame mit dem Hermelin“ (ca. 1489-1491), ein Porträt von Cecilia Gallerani, der Geliebten des Herzogs, und die erste Version der „Felsgrottenmadonna“ (1483-1486).

Erzählerisches Meisterwerk und Komposition

Zwischen 1494 und 1498 schuf Leonardo im Refektorium des Klosters Santa Maria delle Grazie sein wohl ausdrucksstärkstes Werk. „Das letzte Abendmahl“ zeigt den Moment, in dem Jesus seinen Jüngern den bevorstehenden Verrat ankündigt. Leonardo verwandelte diese biblische Szene in ein psychologisches Drama. Jeder der zwölf Apostel reagiert anders auf die schockierende Nachricht – mit Entsetzen, Ungläubigkeit oder heftiger Diskussion. Die Figuren sind in vier Dreiergruppen angeordnet, die wie Wellen der Erregung um die ruhige Gestalt Christi in der Mitte kreisen.

Technisch wagte Leonardo ein Experiment. Statt der üblichen Fresko-Technik verwendete er eine Secco-Methode mit Tempera auf einer Grundierung, um mehr Zeit für Details zu haben. Diese Entscheidung erwies sich als verhängnisvoll – das Werk begann bereits zu Leonardos Lebzeiten zu verfallen. Dennoch wurde die Komposition zum Vorbild für unzählige spätere Darstellungen des Themas.

 

Zweite Florentiner Periode und Leonardo da Vincis Rivalität mit Michelangelo

Nach dem Fall Mailands 1499 kehrte Leonardo nach Florenz zurück, wo er auf einen ebenbürtigen Rivalen traf. Den jungen Michelangelo Buonarroti. Die Stadt wurde Zeuge eines einzigartigen künstlerischen Wettstreits. 1503 erhielten beide Künstler von der Signoria unter Piero Soderini den Auftrag, gegenüberliegende Wände im Großen Ratssaal des Palazzo della Signoria zu bemalen. Leonardo sollte die „Schlacht von Anghiari“ darstellen, Michelangelo die „Schlacht von Cascina„.

Leonardo konzipierte ein wildes Getümmel kämpfender Pferde und Reiter – eine Studie über die Brutalität des Krieges. Seine Vorzeichnungen zeigen verzerrte Gesichter voller Wut und Verzweiflung. Doch auch dieses Werk blieb unvollendet. Leonardo experimentierte erneut mit einer neuartigen Technik, die jedoch misslang. Das angefangene Wandbild wurde später übermalt, doch Kopien von Peter Paul Rubens und anderen Künstlern bewahren die Erinnerung an diese kraftvolle Komposition.

Das Geheimnis der Mona Lisa

Parallel zur Schlacht von Anghiari begann Leonardo um 1503 mit dem Porträt der Lisa del Giocondo, der Frau eines Florentiner Tuchhändlers. Was als gewöhnlicher Auftrag begann, entwickelte sich zu einer lebenslangen Obsession. Leonardo arbeitete vermutlich bis 1517 an dem Gemälde und nahm es auf all seinen Reisen mit sich.

Die „Mona Lisa“ wurde zum Inbegriff des rätselhaften Porträts. Ihr Lächeln – mal melancholisch, mal spöttisch wirkend – verändert sich je nach Betrachtungswinkel. Leonardo setzte hier seine Sfumato-Technik perfekt ein. Die Konturen verschwimmen wie in einem leichten Nebel, besonders um Augen und Mundwinkel. Diese weichen Übergänge erzeugen eine lebendige Präsenz, als könnte die Dargestellte jeden Moment zu sprechen beginnen. Der karge Landschaftshintergrund mit seinen gewundenen Wegen und nebligen Bergen verstärkt die geheimnisvolle Atmosphäre.

 

Späte Jahre in Rom und Frankreich

1513 folgte Leonardo einer Einladung von Papst Leo X. (Giovanni de‘ Medici) nach Rom. Doch während Michelangelo die Sixtinische Kapelle vollendete und der junge Raffael Sanzio die Stanzen ausmalte, fand Leonardo kaum bedeutende Aufträge. Stattdessen vertiefte er sich in wissenschaftliche Studien. Seine anatomischen Untersuchungen erreichten in dieser Zeit ihren Höhepunkt. Er sezierte über dreißig Leichen und fertigte detaillierte Zeichnungen von Organen, Muskeln und Knochen an. Diese Arbeiten zeigen nicht nur seine zeichnerische Präzision, sondern auch sein tiefes Verständnis für die Mechanik des menschlichen Körpers.

Ein spätes Gemälde aus dieser römischen Zeit ist „Johannes der Täufer“ (ca. 1513-1516). Die Figur taucht aus tiefem Dunkel auf, nur von einem geheimnisvollen Licht erhellt. Das rätselhafte Lächeln und die nach oben weisende Geste schaffen eine spirituelle Spannung, die den Betrachter unmittelbar anspricht.

Die letzten Jahre am französischen Hof

1516 nahm Leonardo die Einladung von König Franz I. an und übersiedelte nach Frankreich. Der König stellte ihm das Schloss Clos Lucé bei Amboise zur Verfügung und ernannte ihn zum „Premier Peintre, Architecte et Mechanicien du Roi“. Hier verbrachte Leonardo seine letzten drei Lebensjahre, umsorgt und hochgeehrt.

Trotz einer Lähmung der rechten Hand – Leonardo war Linkshänder, konnte also weiter zeichnen – blieb er bis zuletzt aktiv. Er entwarf Pläne für einen idealen Palast, ein System zur Trockenlegung der Sümpfe der Loire und organisierte prächtige Hoffeste. Sein treuer Schüler Francesco Melzi blieb an seiner Seite und wurde später der Verwalter seines künstlerischen Nachlasses. Zu seinen römischen Förderern zählte auch Giuliano de‘ Medici, der Bruder des Papstes, der Leonardo bei seinen wissenschaftlichen Forschungen unterstützte.

Leonardo da Vinci Stilmerkmale

Leonardos malerischer Stil entwickelte sich aus einer einzigartigen Verbindung von wissenschaftlicher Beobachtung und künstlerischer Intuition. Seine Werke zeichnen sich durch eine Erzählkunst aus, die jeden Betrachter unmittelbar in die dargestellte Szene hineinzieht. Die Gesichter seiner Figuren sprechen Bände – ein skeptisch gehobenes Augenlid, ein kaum merkliches Zucken der Mundwinkel oder die Neigung des Kopfes vermitteln ganze Geschichten innerer Konflikte und Emotionen.

Diese Fähigkeit, durch kleinste Details große Dramen zu erzählen, unterscheidet Leonardo von seinen Zeitgenossen. Er nutzte die Technik des Chiaroscuro, also das Spiel von Licht und Schatten, um seinen Figuren Volumen und Präsenz zu verleihen. Dabei ging er über die bloße Modellierung hinaus und schuf atmosphärische Räume, in denen das Licht selbst zur handelnden Kraft wird.

Seine Kompositionen folgen oft geometrischen Grundformen – Dreiecke und Spiralen –, die dem Auge des Betrachters natürliche Bewegungspfade vorgeben. Die berühmte Luftperspektive, bei der entfernte Objekte in bläuliche Töne getaucht und unscharf dargestellt werden, verleiht seinen Landschaften eine fast traumhafte Tiefe. Leonardo verstand es meisterhaft, den Kontrapost – die klassische Standpose mit verschobenem Körpergewicht – so einzusetzen, dass seine Figuren gleichzeitig entspannt und voller potentieller Bewegung erscheinen.

Techniken und Materialien

Leonardos technische Experimente waren gleichermaßen genial wie problematisch. Seine bevorzugte Methode war die Ölmalerei auf Holztafeln, die ihm erlaubte, in dünnen Lasuren zu arbeiten und feinste Nuancen zu erzielen. Die Sfumato-Technik – wörtlich „verraucht“ – wurde zu seinem Markenzeichen. Dabei trug er hauchdünne Farbschichten übereinander auf, sodass die Übergänge zwischen Licht und Schatten, zwischen verschiedenen Farbtönen wie von selbst zu verschwimmen scheinen.

Diese Technik erforderte extreme Geduld und erklärt, warum Leonardo viele seiner Werke über Jahre hinweg bearbeitete. Bei Wandmalereien wagte er riskante Experimente. Für „Das letzte Abendmahl“ wählte er die Secco-Technik statt des üblichen Fresko, um mehr Zeit für Details zu haben – eine Entscheidung mit fatalen Folgen für die Haltbarkeit.

Seine Malmittel mischte er oft selbst, experimentierte mit verschiedenen Bindemitteln und Firnissen. In seinen Notizbüchern finden sich Rezepte für Farben aus zermahlenen Edelsteinen und organischen Materialien. Das Konzept des Disegno – die Zeichnung als Grundlage aller Künste – war für Leonardo zentral. Seine Vorzeichnungen zeigen oft mehrere Varianten einer Pose übereinander, als würde er die Bewegung selbst einfangen wollen. Diese methodische Herangehensweise prägte auch seine Arbeiten an historischen Themen und religiösen Szenen.

da Vincis Einfluss und Vermächtnis

Leonardos Einfluss auf die nachfolgende Kunstentwicklung lässt sich kaum überschätzen. Seine Schüler, allen voran Giovanni Antonio Boltraffio und Marco d’Oggiono, verbreiteten seine Techniken in ganz Norditalien. Doch sein wahres Vermächtnis liegt tiefer. Er etablierte den Künstler als denkenden, forschenden Menschen, nicht nur als Handwerker. Seine Arbeitsweise verband wissenschaftliche Präzision mit künstlerischer Vision und schuf damit ein neues Verständnis dessen, was Kunst sein konnte.

Die Sfumato-Technik, die psychologische Durchdringung seiner Porträts und seine kompositorische Zuspitzung beeinflussten Generationen von Malern, von Raffael über Rembrandt van Rijn bis zu den Symbolisten des 19. Jahrhunderts. Seine anatomischen Studien waren so präzise, dass sie erst Jahrhunderte später von der medizinischen Wissenschaft eingeholt wurden. Die Art, wie Leonardo Licht, Schatten und Atmosphäre einsetzte, um Stimmungen zu erzeugen, wurde zum Grundprinzip der europäischen Malerei. Über seine technischen und künstlerischen Innovationen hinaus verkörperte Leonardo das Ideal des Universalgelehrten, dessen Neugier keine Grenzen kannte und der in jedem Phänomen der Natur eine Gelegenheit zum Lernen sah.

 

Der Paragone und theoretische Schriften

Leonardo nahm aktiv am Paragone teil, dem intellektuellen Wettstreit über den Vorrang der Künste. In seinem „Trattato della pittura“ (Traktat über die Malerei) argumentierte er leidenschaftlich für die Überlegenheit der Malerei über Bildhauerei und Dichtung. Die Malerei, so Leonardo, könne alle Aspekte der sichtbaren Welt erfassen und sei damit die vollkommenste Form der Erkenntnis. Diese theoretischen Überlegungen, zusammengestellt aus seinen verstreuten Notizen, beeinflussten die Kunsttheorie für Jahrhunderte.

 

Der Codex Atlanticus und technische Visionen

Der Codex Atlanticus, eine Sammlung von über 1.000 Blättern mit Leonardos Zeichnungen und Notizen, offenbart die ganze Breite seines Genies. Hier finden sich Entwürfe für Flugmaschinen, die auf der genauen Beobachtung des Vogelflugs basieren, Pläne für hydraulische Pumpen und Kanalsysteme, sowie Studien zur Optik und Mechanik. Seine Entwürfe für einen Fallschirm und eine Art Hubschrauber waren ihrer Zeit um Jahrhunderte voraus. Besonders faszinierend sind seine Studien zu Wasserströmungen – spiralförmige Wirbel, die er sowohl in der Natur als auch in den Locken seiner gemalten Figuren wiederfindet.

 

Leonardo da Vincis Notizbücher und die Spiegelschrift

Die über 6.000 erhaltenen Seiten aus Leonardos Notizbüchern, größtenteils in seiner charakteristischen Spiegelschrift verfasst, bilden ein einzigartiges Archiv des Renaissance-Denkens. Diese Aufzeichnungen dienten ihm nicht zur Publikation, sondern als persönliches Laboratorium der Ideen. Neben den technischen Zeichnungen finden sich philosophische Betrachtungen über die Natur, poetische Beschreibungen von Naturphänomenen und praktische Notizen zum Malmaterial. Die Bibliothek der Ambrosiana in Mailand, die einen großen Teil dieser Schätze bewahrt, ermöglicht heute Einblicke in den Denkprozess eines Universalgelehrten, der keine Trennung zwischen Kunst und Wissenschaft kannte.

 

Leonardo da Vincis Platz in der Kunstgeschichte

Dass Leonardo da Vinci bis heute fasziniert, liegt nicht allein an der Qualität seiner Gemälde – es ist die radikale Konsequenz, mit der er Sehen und Verstehen zur Einheit verschmolz. Während andere Maler Oberflächen abbildeten, wollte er begreifen, warum Wasser wirbelt, wie Muskeln arbeiten und weshalb Licht auf gewölbten Flächen anders bricht als auf ebenen. Diese Neugier floss unmittelbar in seine Kunst. Die berühmte Sfumato-Technik etwa verdankt ihre Wirkung seinem Studium der Optik und der Atmosphäre.

Seine unvollendeten Projekte sind dabei kein Zeichen des Scheiterns, sondern Ausdruck einer Arbeitsweise, die den Prozess über das Produkt stellte. Leonardo hinterließ mehr Fragen als Antworten – und genau das macht sein Erbe so lebendig. Er zeigte, dass Kunst kein abgeschlossenes Handwerk ist, sondern eine Form des Forschens, die niemals endet. Leonardo da Vinci starb am 2. Mai 1519 im Schloss Clos Lucé bei Amboise, Frankreich, im Alter von 67 Jahren.

QUICK FACTS

  • 1452-1472: Geboren am 15. April in Vinci als unehelicher Sohn des Notars Ser Piero. Kindheit und Jugend in der Toskana, ab 1469 Ausbildung in Verrocchios Werkstatt in Florenz.
  • 1472-1482: Aufnahme in die Florentiner Malergilde. Erste eigenständige Werke wie die „Verkündigung“ und „Ginevra de‘ Benci“ (ca. 1474-1478). Entwicklung des charakteristischen Stils mit detaillierten Landschaften und psychologischer Tiefe.
  • 1482-1499: Erste Mailänder Periode am Hof von Ludovico Sforza. Tätigkeit als Hofmaler, Ingenieur und Festgestalter. Entstehung der „Dame mit dem Hermelin“, der ersten „Felsgrottenmadonna“ (Louvre, 1483-1486) und des „Letzten Abendmahls“ (1494-1498).
  • 1500-1506: Rückkehr nach Florenz. Beginn der Arbeit an der „Mona Lisa“ (ab 1503). Auftrag für die „Schlacht von Anghiari“ (1503-1506) im direkten Wettstreit mit Michelangelos „Schlacht von Cascina“. Intensive anatomische und wissenschaftliche Studien.
  • 1506-1513: Zweite Mailänder Periode und Aufenthalte in Rom. Vollendung der zweiten Version der „Felsgrottenmadonna“ (National Gallery London, 1491/95-1508). Vertiefung der anatomischen Studien und technischen Erfindungen.
  • 1513-1516: Aufenthalt in Rom unter Papst Leo X. Konzentration auf wissenschaftliche Forschungen. Entstehung des „Johannes der Täufer“. Wenig Resonanz als Maler neben Michelangelo und Raffael.
  • 1516-1519: Übersiedlung nach Frankreich auf Einladung von König Franz I. Wohnsitz im Schloss Clos Lucé bei Amboise. Tod am 2. Mai 1519 im Alter von 67 Jahren. Francesco Melzi wird Verwalter des künstlerischen Nachlasses.
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