Künstler der Neuen Sachlichkeit
Nach den expressionistischen Ausbrüchen und dem Chaos des Ersten Weltkriegs entstand in den 1920er Jahren eine Kunstbewegung, die den nüchternen Blick auf die Wirklichkeit suchte. Die Künstler der Neuen Sachlichkeit wandten sich ab von Verzerrung und Ekstase und richteten ihren Fokus auf das, was vor ihnen lag. Die Gesichter einer zerrissenen Gesellschaft, die Straßen der Großstädte, den Alltag zwischen Aufbruch und Ernüchterung. Ihre Bilder sind präzise, oft schonungslos und von einer kühlen Klarheit, die nichts beschönigt.
Innerhalb der Bewegung bildeten sich dabei unterschiedliche Strömungen heraus. Die Veristen um Otto Dix und George Grosz legten mit beißender Schärfe die Abgründe der Weimarer Republik offen, während die Klassizisten um Georg Schrimpf und Alexander Kanoldt eine stillere, idealisierende Gegenständlichkeit pflegten. Ob sozialkritische Anklage oder stille Beobachtung – die Künstler der Neuen Sachlichkeit schufen ein ungeschöntes Porträt ihrer Zeit, das bis heute nichts von seiner Wirkung verloren hat. Hier findest du einen kurzen Überblick über unsere Auswahl der wichtigsten Künstler der Neuen Sachlichkeit.
Wichtige Künstler der Neuen Sachlichkeit
- Otto Dix hielt die Schrecken des Krieges und die Abgründe der Weimarer Gesellschaft in schonungsloser Präzision fest. Seine Werke verbinden altmeisterliche Technik mit einer Bildsprache, die nichts beschönigt und den Betrachter zur Konfrontation zwingt.
- George Grosz zeichnete die Großstadt als Bühne menschlicher Gier und Verkommenheit. Seine satirischen Arbeiten entlarven mit beißendem Witz die Widersprüche zwischen bürgerlicher Fassade und moralischem Verfall in der Weimarer Republik.
- Max Beckmann schuf monumentale Figurenbilder voller symbolischer Verdichtung. Seine Triptychen und Porträts bewegen sich zwischen Neuer Sachlichkeit und expressiver Wucht und spiegeln die existenziellen Erschütterungen seiner Zeit.
- Christian Schad malte seine Porträts mit einer Schärfe, die an die Fotografie erinnert. Seine kühle, altmeisterliche Technik zeigt die Menschen der Weimarer Republik in einer Mischung aus Eleganz und schonungsloser Entblößung.
- August Sander dokumentierte mit der Kamera die gesamte Bandbreite der deutschen Gesellschaft. Sein fotografisches Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ ordnet Berufe, Stände und Typen zu einem sachlichen Porträt einer ganzen Epoche.
- Rudolf Schlichter verband politische Provokation mit veristischer Genauigkeit. Seine Bilder zeigen das Berlin der Zwanzigerjahre zwischen Rotlichtmilieu, Bohème und politischer Radikalisierung mit ungeschöntem Blick.
- Karl Hubbuch fing das Leben in der Großstadt mit zeichnerischer Virtuosität ein. Seine Arbeiten zeigen Straßenszenen, Frauen und Alltagsmomente in Karlsruhe und Berlin mit einer Mischung aus Distanz und stiller Faszination.
- Jeanne Mammen beobachtete das Berliner Leben der Zwanzigerjahre mit elegantem Strich und feinem Gespür für Stimmungen. Ihre Aquarelle und Zeichnungen zeigen selbstbewusste Frauen, Varietés und das pulsierende Nachtleben einer Stadt im Umbruch.
- Franz Radziwill malte norddeutsche Landschaften, in denen sich Idylle und Bedrohung überlagern. Seine Bilder verbinden sachliche Präzision mit visionären Elementen und erzeugen eine Atmosphäre zwischen Stille und unterschwelliger Unruhe.
- Georg Schrimpf pflegte eine sanfte, lyrische Spielart der Neuen Sachlichkeit. Seine Landschaften und Figurenbilder strahlen eine stille Harmonie aus, die sich bewusst von der sozialkritischen Schärfe der Veristen absetzt.