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Carlo Carrà

Carlo Carrà wurde am 11. Februar 1881 in Quargnento, Italien, geboren und war eine zentrale Figur der italienischen Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Sein künstlerisches Schaffen erstreckte sich über mehrere Epochen und Stilrichtungen, darunter der Futurismus und die metaphysische Malerei. Während er anfangs stark mit der Avantgarde verbunden war, fand er später zu einem klassischeren, geordneten Stil zurück. Seine Werke zeichnen sich durch eine klare Formensprache, eine ausgeprägte Dynamik und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Raum und Komposition aus. Neben seiner Malerei war Carrà auch als Kunsttheoretiker tätig und prägte mit seinen Schriften und Kritiken die Kunstdebatten seiner Zeit.

Wichtige Werke und Ausstellungen

  1. Das Begräbnis des Anarchisten Galli (Il Funerale dell’anarchico Galli, 1910–1911) – Museum of Modern Art, New York
  2. Die verzauberte Kammer (La Camera Incantata, 1917) – Privatsammlung
  3. Die metaphysische Muse (La Musa Metafisica, 1917) – Privatsammlung
  4. Die Töchter Lots (Le Figlie di Loth, 1919) – Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst, Trient und Rovereto
  5. Der Liebhaber der Ingenieurin (L’Amante dell’Ingegnere, 1921) – Privatsammlung
  6. Kanal in Venedig (Canale a Venezia, 1926) – Privatsammlung
  7. Rhythmen der Objekte (Ritmi d’oggetti, 1911) – Pinacoteca di Brera, Mailand
  8. Der westliche Reiter (Il Cavaliere dello Spirito Occidentale, 1917) – Privatsammlung
  9. Das Oval der Erscheinungen (L’Ovale delle Apparizioni, 1918) – Galleria Nazionale d’Arte Moderna, Rom
  10. Morgen am Meer (Mattino sul Mare, 1928) – Privatsammlung

Künstlerische Entwicklung

Frühe Karriere und Ausbildung

Bereits mit zwölf Jahren verließ Carrà sein Elternhaus, um als Wanddekorateur zu arbeiten. Diese handwerkliche Ausbildung brachte ihn 1899 nach Paris, wo er an der Weltausstellung teilnahm und erste Berührungspunkte mit der modernen französischen Kunst hatte. In London kam er in Kontakt mit exilierten italienischen Anarchisten, deren Ideen ihn nachhaltig prägten. Nach seiner Rückkehr nach Italien schrieb er sich 1906 an der Accademia di Brera in Mailand ein, wo er unter Cesare Tallone studierte. Dort knüpfte er enge Kontakte zu Umberto Boccioni und Luigi Russolo, mit denen er 1910 das Manifest der futuristischen Maler unterzeichnete.

Wichtige Stationen und Werke

Futuristische Phase und erste Anerkennung

Carràs frühe Werke stehen ganz im Zeichen des Futurismus. Mit Das Begräbnis des Anarchisten Galli (1910–1911) schuf er ein Bild von großer Wucht, das Bewegung, Emotion und gesellschaftliche Unruhe miteinander verknüpft. Das Gemälde gilt als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse futuristischer Malerei und reflektiert Carràs intensive Auseinandersetzung mit der Idee der Dynamik im Bild.

Abkehr von der Geschwindigkeit: Hinwendung zur Tradition

Bereits 1915 distanzierte sich Carrà von der futuristischen Bewegung. Der unaufhörliche Drang nach Geschwindigkeit und technischer Moderne erschien ihm zunehmend unvereinbar mit seinem Bedürfnis nach innerer Ruhe und bildlicher Stabilität. Stattdessen wandte er sich den Werken der italienischen Frührenaissance zu – insbesondere Giotto und Piero della Francesca –, deren Einfluss bald in seiner Komposition und Farbgestaltung sichtbar wurde.

Metaphysische Malerei und die Zusammenarbeit mit de Chirico

Ein entscheidender Wendepunkt folgte 1917 mit der Begegnung Giorgio de Chiricos in Ferrara. Gemeinsam entwickelten sie die Pittura Metafisica, eine Bildsprache, die das Unbewusste, das Rätselhafte und das Traumhafte in symbolisch aufgeladenen Räumen thematisierte. Werke wie Die verzauberte Kammer und Die metaphysische Muse (beide 1917) veranschaulichen Carràs Interesse an stillen, aber spannungsgeladenen Szenarien.

Carlo Carrà und die stille Kraft der Landschaft

Ab den 1920er Jahren verlagerte Carrà seinen Schwerpunkt zunehmend auf die Landschaftsmalerei. Dabei rückte er das Atmosphärische und das Formbewusstsein in den Vordergrund. In Morgen am Meer (1928) etwa zeigen sich seine reduzierte Formensprache und sein Bemühen, Stille, Licht und Raum in eine ausgewogene Komposition zu überführen – ein klarer Ausdruck seiner Suche nach innerer Harmonie.

Stilmerkmale

  • Dynamik und Bewegung: Seine frühen Werke reflektieren die Prinzipien des Futurismus und fangen Geschwindigkeit und Kraft ein.
  • Metaphysische Elemente: Spätere Arbeiten zeigen surreale, traumartige Szenen mit symbolhaften Objekten.
  • Geometrische Klarheit: Besonders in seiner späteren Phase bevorzugte er einfache, monumentale Formen.
  • Dunkle, erdige Farbpalette: Seine Gemälde wirken oft melancholisch und still.
  • Fokus auf Raum und Komposition: Er nutzte Leere und Struktur gezielt, um eine tiefere Bedeutungsebene zu erzeugen.

Techniken und Materialien

Carrà arbeitete vorwiegend mit Öl auf Leinwand, experimentierte aber auch mit Tempera. In seiner frühen Phase setzte er divisionistische Techniken ein, bevor er zu einer klareren, von der Renaissance inspirierten Linienführung überging. Während der metaphysischen Phase verwendete er oft kontrastierende Farbflächen, um die eigentümliche Stille seiner Szenen zu unterstreichen.

Carràs Einfluss und Vermächtnis

Carrà beeinflusste zahlreiche Künstler des 20. Jahrhunderts, darunter Giorgio Morandi, der die Stille und Klarheit seiner späteren Werke aufgriff. Seine frühen futuristischen Arbeiten dienten als Inspirationsquelle für spätere Strömungen der modernen Kunst, während seine metaphysischen Gemälde entscheidend zur Entwicklung des Surrealismus beitrugen. Auch der italienische Novecento wurde durch seine Arbeiten geprägt.

Carlo Carrà: Die wichtigsten Fakten

  • Geboren am 11. Februar 1881 in Quargnento, Italien
  • Unterzeichnete 1910 das Manifest der futuristischen Maler
  • Prägte den Futurismus mit Werken wie Das Begräbnis des Anarchisten Galli
  • Entwickelte ab 1917 mit Giorgio de Chirico die metaphysische Malerei
  • War von 1939 bis 1951 Professor an der Accademia di Brera in Mailand
  • Wurde 1950 mit dem Großen Preis der Biennale von Venedig ausgezeichnet

Carlo Carrà war einer der vielseitigsten Künstler der italienischen Moderne. Vom leidenschaftlichen Futuristen über den Mitbegründer der metaphysischen Malerei bis hin zum klassizistisch geprägten Landschaftsmaler durchlief er eine bemerkenswerte stilistische Entwicklung. In seinen Werken verbinden sich expressive Dynamik mit formaler Strenge und meditativer Ruhe. Seine Schriften und seine Rolle als Lehrer an der Accademia di Brera beeinflussten Generationen junger Künstler. Durch seine Suche nach Ausgewogenheit zwischen Bewegung und Stille, Moderne und Tradition bleibt Carràs Werk ein zentrales Zeugnis der künstlerischen Spannungen des 20. Jahrhunderts. Er verstarb am 13. April 1966 in Mailand im Alter von 85 Jahren.

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