Gustav Klimt
Der österreichische Maler Gustav Klimt, geboren am 14. Juli 1862 in Baumgarten bei Wien, war einer der prägendsten Künstler der Jahrhundertwende und ein bedeutender Vertreter des Wiener Jugendstils. Er wuchs als zweites von sieben Kindern in einer Künstlerfamilie auf, wobei sein Vater Ernst Klimt d. Ä. als Goldgraveur und seine Brüder Ernst und Georg ebenfalls künstlerisch tätig waren. Seine Werke, darunter Deckengemälde im Wiener Burgtheater und die umstrittenen Fakultätsbilder für die Universität Wien, zeugen von einer außergewöhnlichen Verbindung aus Ornamentik, Symbolismus und emotionaler Tiefe. Der Symbolismus in Klimts Schaffen manifestiert sich besonders in seiner Darstellung universeller Themen wie Leben, Tod, Liebe und Erotik, die er mit dekorativen Elementen und mythologischen Allegorien meisterhaft verband. Als Gründungspräsident der Wiener Secession führte er die Kunst in eine neue Epoche. Klimt war nie verheiratet, hatte jedoch enge Beziehungen zu Frauen wie Emilie Flöge, die ihn in seinem Werk inspirierte. Sein bekanntestes Werk, Der Kuss, steht bis heute für die Verschmelzung von Sinnlichkeit und Kunst.
10 wichtige Werke und Ausstellungen
- Der Kuss (Liebespaar, 1908/1909) – Belvedere, Wien
- Porträt der Adele Bloch-Bauer I (1907) – Neue Galerie, New York
- Beethovenfries (1902) – Secessionsgebäude, Wien
- Pallas Athene (1898) – Wien Museum, Wien
- Judith und Holofernes (1901) – Belvedere, Wien
- Die Jungfrau (1913) – Nationalgalerie, Prag
- Der Lebensbaum (Stoclet-Fries, 1905–1909) – Palais Stoclet, Brüssel
- Philosophie (1900) – ehemals Universität Wien, zerstört
- Medizin (1901) – ehemals Universität Wien, zerstört
- Jurisprudenz (1903) – ehemals Universität Wien, zerstört
Künstlerische Entwicklung
Frühe Karriere und Ausbildung
Gustav Klimt begann seine künstlerische Ausbildung 1876 an der Kunstgewerbeschule in Wien, die er dank eines Stipendiums besuchen konnte. Während dieser Zeit zeigte sich bereits sein außergewöhnliches Talent, das ihm erste Aufträge einbrachte. Gemeinsam mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch gründete er die Ateliergemeinschaft „Künstler-Compagnie“. Die Gruppe schuf unter anderem Deckengemälde und Zwickelbilder für bedeutende Bauwerke wie das Burgtheater und das Kunsthistorische Museum. Seine Arbeit in dieser frühen Phase, die von Einflüssen der Antike und des Historismus geprägt war, spiegelt eine beeindruckende Detailgenauigkeit wider. Zusätzlich unternahm Klimt Reisen nach München, Venedig und Paris, die seinen künstlerischen Horizont erweiterten.
Wichtige Stationen und Werke
Die Gründung der Wiener Secession im Jahr 1897 stellte einen Wendepunkt in Klimts Karriere dar. Als Präsident dieser Bewegung setzte er sich für die Freiheit der Kunst von traditionellen Normen ein. Gleichzeitig begann er, die weibliche Figur in seinen Werken zunehmend als Symbol für emotionale und mythologische Themen zu inszenieren. Seine Fakultätsbilder wie Philosophie und Medizin wurden kontrovers diskutiert und brachten ihm sowohl internationale Anerkennung – darunter eine Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung – als auch scharfe Kritik ein. Während des Zweiten Weltkriegs wurden diese Werke zerstört, doch sie gelten bis heute als Meilensteine seiner Schaffensperiode. Klimt stellte auch international aus, etwa auf der Biennale in Venedig und in Prag, Dresden und Rom.
Zusammenarbeit mit Josef Olbrich und der Wiener Werkstätte
Klimt arbeitete eng mit Künstlern wie Josef Olbrich und Koloman Moser zusammen, insbesondere im Rahmen der Wiener Werkstätte. Seine Entwürfe für den berühmten Stoclet-Fries im Palais Stoclet in Brüssel zeugen von seiner Fähigkeit, Kunst und Handwerk in einem Gesamtkunstwerk zu vereinen. Gleichzeitig gestaltete er für die Secession nicht nur Gemälde, sondern auch innovative Entwürfe für Metalltüren und Illustrationen, die in der Zeitschrift Ver Sacrum veröffentlicht wurden.
Stilmerkmale
- Ornamentale Flächengestaltung: Klimts Werke sind durch detailreiche, dekorative Muster geprägt.
- Goldene Farbgebung: Besonders in seiner „Goldenen Periode“ verwendete er Blattgold, was seinen Gemälden eine besondere Strahlkraft verlieh.
- Symbolik und Allegorien: Häufig nutzte er mythologische und emotionale Themen, um universelle menschliche Erfahrungen darzustellen.
- Darstellung von Frauen: Frauen standen im Mittelpunkt seines Schaffens und wurden oft in erotischer, aber auch majestätischer Weise inszeniert.
- Flächige Komposition: Seine Werke verzichten meist auf Perspektive und schaffen dadurch eine moderne, zeitlose Wirkung.
Techniken und Materialien
Gustav Klimt experimentierte mit einer Vielzahl von Techniken und Materialien, die seinen Werken ihre unverwechselbare Ästhetik verliehen. Besonders charakteristisch war sein Einsatz von Blattgold, der an byzantinische Mosaike erinnert und seinen Gemälden eine außergewöhnliche Tiefe verlieh. Neben Öl auf Leinwand arbeitete er auch mit Mischtechniken und fertigte akribische Zeichnungen an. Seine Motive, darunter Allegorien, Porträts und Landschaften, spiegeln eine außergewöhnliche Bandbreite und Innovationskraft wider.
Klimts Einfluss und Vermächtnis
Klimts Einfluss auf die Kunst der Jahrhundertwende und darüber hinaus ist unbestritten. Als Präsident der Wiener Secession und Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in München prägte er nicht nur eine neue Ära der Kunst, sondern inspirierte auch zahlreiche Zeitgenossen wie Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Sein Vermächtnis zeigt sich auch in den Sommerfrischen am Attersee, wo er viele seiner Landschaftsbilder schuf. Klimts Werke, darunter Judith und Holofernes, beeinflussen bis heute Kunst und Design.
Gustav Klimt: Die wichtigsten Fakten
- Geboren am 14. Juli 1862 in Baumgarten bei Wien.
- Gründete die Wiener Secession und prägte den Jugendstil.
- Kontroverse Fakultätsbilder für die Universität Wien, später zerstört.
- Eng mit Emilie Flöge verbunden, die ihn stark beeinflusste.
- Schuf berühmte Werke wie Der Kuss und Judith und Holofernes.
- Entwickelte eine charakteristische „Goldene Periode“.
Gustav Klimt revolutionierte die Kunst seiner Zeit, indem er traditionelle Normen aufbrach und eine neue, symbolträchtige Bildsprache entwickelte. Seine Werke, die Kunst und Emotionen meisterhaft vereinen, prägen den Jugendstil und darüber hinaus die Kunstgeschichte. Bis zu seinem Tod am 6. Februar 1918 im Alter von 55 Jahren blieb er ein visionärer Künstler, dessen Einfluss bis heute spürbar ist.