Georg Baselitz
Ein junger Mann, aufgewachsen zwischen Trümmern und Ideologie, verlässt die DDR und beginnt in West-Berlin zu malen. Was er dort auf die Leinwand bringt, folgt keiner Schule, keiner Bewegung, keinem Konsens. Georg Baselitz, geboren 1938 im sächsischen Deutschbaselitz als Hans-Georg Kern, entwickelte nach dem Zweiten Weltkriegs eine Kunst, die sich gegen alles stellte, was gerade als gültig galt. Während andere den Gegenstand aufgaben, hielt er an der Figur fest, drehte sie aber um, zerlegte sie, beschädigte sie. Aus der Romantik zog er ebenso viel wie aus dem Expressionismus, doch was dabei entstand, gehörte ihm allein. Seine Helden tragen keine Rüstungen. Sie stehen in verwüsteten Landschaften, bandagiert, erschöpft, aber aufrecht.
Wichtige Werke und Ausstellungen
Das Schaffen von Georg Baselitz umfasst Gemälde, Skulpturen, Holzschnitte und Zeichnungen, wobei die Grenzen zwischen den Gattungen durchlässig bleiben. Immer wieder kehren Motive auf, die er neu befragt, Figuren in kargen Räumen, Frauen, Köpfe, Landschaften. Die Arbeiten verweigern sich einer glatten Lesart. Sie fordern den Blick heraus, ohne ihn zu belehren, und halten eine Spannung aufrecht, die sich über Jahrzehnte nicht erschöpft hat.
- Die große Nacht im Eimer (1962–1963) – Museum Ludwig, Köln
- Acker (1962) – Städel Museum, Frankfurt am Main
- Die großen Freunde (1965) – Museum Ludwig, Köln
- Der Hirte (1966) – Sammlung Frieder Burda, Baden-Baden
- Ein moderner Maler (1966) – Berlinische Galerie, Berlin
- Eine Kuh (1968) – Museum Folkwang, Essen
- Der Wald auf dem Kopf (1969) – Sammlung Ludwig, Aachen
- BDM-Gruppe (2012) – Museum Würth 2, Künzelsau
Georg Baselitz' künstlerische Entwicklung
Die Biografie von Georg Baselitz liest sich wie ein Spiegel der deutschen Nachkriegsgeschichte. Von der DDR über West-Berlin bis zur internationalen Kunstszene durchlief er Brüche, die sein Werk tief durchziehen. Jede Phase brachte neue Werkgruppen hervor, die aufeinander aufbauen und sich zugleich gegenseitig in Frage stellen. Seine Entwicklung verlief dabei nie linear, sondern in Schüben, Widersprüchen und bewussten Richtungswechseln.
Kindheit und Flucht aus der DDR
Hans-Georg Kern wuchs im ländlichen Sachsen auf, in einem Umfeld, das vom Zweiten Weltkrieg und der sowjetischen Besatzung geprägt war. Sein Vater, ein Lehrer, war NSDAP-Mitglied gewesen. Diese Familiengeschichte, verschränkt mit der Erfahrung von Zerstörung und ideologischer Vereinnahmung, wurde zum Rohstoff einer Kunst, die Ordnungssysteme grundsätzlich misstraut.
Studium zwischen Ost und West
1956 begann Kern ein Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, also im Ostteil der Stadt. Nach nur zwei Semestern wurde er wegen angeblicher „gesellschaftspolitischer Unreife“ relegiert. Er wechselte an die Hochschule der Künste in West-Berlin, wo er bei Hann Trier studierte. Dieser Bruch zwischen den ideologischen Systemen der DDR und der Bundesrepublik durchzieht sein gesamtes Werk.
Als junger Mann hatte er vermutlich die Kunstsammlungen in Dresden besucht und dort Werke der Romantik studiert, die ihn ebenso beeinflussten wie die Expressionisten der Brücke. 1961 legte er sich den Künstlernamen Georg Baselitz zu, abgeleitet von seinem Geburtsort Deutschbaselitz. Die Namensänderung war ein bewusster Neuanfang, eine Trennung von der eigenen Herkunft und zugleich ein Festhalten daran.
Das Pandämonische Manifest und die frühe Rebellion
Gemeinsam mit seinem Künstlerfreund Eugen Schönebeck verfasste Baselitz 1961 das erste und 1962 das zweite Pandämonische Manifest. Diese programmatischen Texte, deren Titel auf das griechische Wort Pandämonium (also einen Ort aller Dämonen) anspielt, formulierten eine Absage an die vorherrschende abstrakte Malerei des Informel, jener gegenstandslosen Strömung, die in der westdeutschen Kunstszene der Nachkriegszeit dominierte.
Baselitz und Schönebeck forderten stattdessen eine Rückkehr zur Figuration, also zur Darstellung erkennbarer Körper und Gegenstände, allerdings in einer bewusst rohen, verstörenden Form. Die Manifeste blieben in der breiteren Öffentlichkeit zunächst weitgehend unbeachtet, legten aber die intellektuelle Grundlage für alles, was folgen sollte.
Die Einzelausstellung bei Werner & Katz und der Skandal von 1963
Den eigentlichen Durchbruch in die öffentliche Wahrnehmung brachte ein Skandal. Bei seiner ersten Einzelausstellung 1963 in der Berliner Galerie Werner & Katz zeigte Baselitz unter anderem das Gemälde „Die große Nacht im Eimer“, das einen Mann mit überdimensioniertem Glied bei der Selbstbefriedigung darstellt. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte das Bild und ein weiteres Werk wegen des Vorwurfs der Unsittlichkeit.
Der Prozess zog sich über Jahre hin und brachte Baselitz jene Aufmerksamkeit, die kein Manifest hätte erzeugen können. Das Bild selbst zeigt eine Figur, die weniger provozieren als verstören will. Der grobe, pastose Farbauftrag, die verzerrten Proportionen und die düstere Farbgebung verweigern jede Schönheit. Die Figur steht in keinem Raum, sie existiert in einer Art Vakuum. Genau diese Verweigerung wurde zum Programm.
Die Heldenbilder und ihre gebrochenen Figuren
Mitte der 1960er Jahre fand Baselitz zu einer Werkgruppe, die seinen Ruf als Maler festigte. In den sogenannten Heldenbildern stehen monumentale Figuren isoliert in kargen, oft verwüsteten Landschaften. Diese Helden tragen keine Rüstungen und schwingen keine Schwerter. Es sind beschädigte Gestalten, Männer mit zerfetzter Kleidung, bandagierten Gliedern und leerem Blick.
Das Bild des beschädigten Helden
Baselitz griff damit bewusst die Tradition des Heldenbildes auf, wie es etwa in der Romantik oder im Sozialistischen Realismus existierte, und drehte sie um. Seine Helden sind keine Sieger, sondern Überlebende. Der grobe Duktus, also die sichtbare Spur des Pinsels auf der Leinwand, verstärkt den Eindruck von Verletzlichkeit. Das Format der Gemälde ist oft riesig, die Figuren wirken trotzdem verloren.
Die Verbindung von monumentaler Größe und innerer Zerbrechlichkeit erzeugt eine Spannung, die diese Bilder so einprägsam macht. In Werken wie „Ein moderner Maler“ oder „Der Hirte“ zeigt sich, wie Baselitz die Figur als Träger von Geschichte begreift. Die Körper dieser Männer erzählen von Krieg, Ideologie und dem Versuch, nach der Katastrophe wieder aufrecht zu stehen.
Die Frakturbilder als Weg zur Umkehr
Zwischen 1966 und 1969 entstanden die sogenannten Frakturbilder, eine Werkgruppe, die den Übergang von den Heldenbildern zu den kopfstehenden Motiven markiert. In diesen Arbeiten zerlegte Baselitz seine Figuren und Landschaften in einzelne Fragmente, die er auf der Leinwand neu anordnete. Die Komposition folgte keiner natürlichen Logik mehr, das Motiv wurde in Einzelteile aufgesplittert, ohne vollständig in die Abstraktion zu kippen.
Man kann sich das vorstellen wie ein Foto, das jemand in Stücke reißt und dann in veränderter Reihenfolge wieder zusammenlegt. Die einzelnen Teile bleiben erkennbar, aber das Gesamtbild ergibt eine neue, irritierende Ordnung. Die Frakturbilder waren die direkte Vorstufe zur Motivumkehr von 1969. Baselitz hatte das Bild bereits zerlegt. Der nächste logische Schritt war, es umzudrehen.
Warum malt Baselitz auf dem Kopf
1969 stellte Baselitz das Gemälde „Der Wald auf dem Kopf“ aus. Von diesem Zeitpunkt an malte er seine Motive konsequent kopfstehend. Die Frage, warum er das tat, lässt sich nicht auf eine einzige Antwort reduzieren, aber der Kern ist klar. Die Umkehr entzieht dem Motiv seine erzählerische Funktion. Ein Baum, der auf dem Kopf steht, wird zur Form. Ein Gesicht, das auf dem Kopf steht, wird zur Farbfläche.
Der Betrachter kann das Dargestellte nicht mehr einfach „lesen“ wie eine Illustration, sondern wird gezwungen, die Malerei selbst wahrzunehmen. Leinwand, Farbe, Pinselstrich und Komposition treten in den Vordergrund. Baselitz selbst begründete dieses Vorgehen einmal damit, dass er die Dinge auf dem Kopf male, damit die Leute aufhören, über den Gegenstand zu reden, und anfangen, über die Malerei zu reden.
Diese Strategie unterscheidet ihn grundlegend von der vollständigen Abstraktion, wie sie etwa das Informel verfolgte. Baselitz gibt den Gegenstand nicht auf. Er behält Bäume, Adler, Köpfe, Frauen, zeigt sie aber in einer Weise, die ihre Wiedererkennbarkeit untergräbt. Die Spannung zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen dem erkennbaren Motiv und seiner Auflösung, wurde zum Motor seines gesamten weiteren Schaffens.
Georg Baselitz‘ Skulpturen mit der Kettensäge
Neben der Malerei und der Druckgrafik entwickelte Baselitz ab 1979/80 ein eigenständiges bildhauerisches Werk. Seine erste Skulptur, „Modell für eine Skulptur“, entstand 1979/80 und wurde 1980 auf der Biennale in Venedig ausgestellt, wo sie für erhebliches Aufsehen sorgte. Die grob behauene Holzfigur mit erhobenem rechtem Arm wurde von einigen Kritikern als Provokation gelesen, als bewusste Anspielung auf eine Geste, die in der deutschen Geschichte tief belastet ist. Baselitz wies diese Deutung zurück, doch der Skandal festigte seine internationale Position.
Holz, Kettensäge und Bronze
Die Skulpturen entstehen aus massiven Holzblöcken, die Baselitz mit der Kettensäge bearbeitet. Die Oberfläche bleibt bewusst roh und zeigt die Spuren des Werkzeugs. Es gibt keine Glättung, kein Polieren, keine Verfeinerung. Manche Figuren werden anschließend farbig gefasst, andere in Bronze gegossen, wobei die raue Holzstruktur erhalten bleibt. Diese Skulpturen übertragen den expressiven Duktus seiner Malerei in den dreidimensionalen Raum. Sie wirken, als wären sie eher freigelegt als geformt, so als hätte Baselitz eine Figur aus dem Holz herausgeschlagen statt sie aufgebaut.
Holzschnitte, Radierungen und grafisches Werk
Seit den frühen 1960er Jahren begleiten Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitte das malerische Werk. Ab 1977 kamen großformatige Linolschnitte hinzu. Die Druckgrafik dient Baselitz als Verdichtung seiner Motive. Was im Gemälde auf großer Fläche entsteht, wird im Holzschnitt auf seine wesentlichen Linien und Kontraste reduziert.
Die Technik des Holzschnitts, bei der Formen aus dem Holzblock herausgeschnitten werden, erzwingt eine Vereinfachung, die seinen expressiven Stil noch verstärkt. Dabei orientierte sich Baselitz bewusst an den Holzschnitten der deutschen Expressionisten, etwa Ernst Ludwig Kirchner oder Erich Heckel aus der Künstlergruppe Die Brücke, deren kraftvollen Umgang mit dem Medium er in eine zeitgenössische Sprache übersetzte.
Georg Baselitz‘ Remix-Serie und die Russenbilder
Ab den späten 1990er Jahren eröffnete Baselitz zwei Werkgruppen, die sein Spätwerk entscheidend prägten. In den sogenannten Russenbildern, begonnen 1998, griff er Vorlagen des Sozialistischen Realismus auf, jener offiziellen Staatskunst der Sowjetunion und der DDR, die er als junger Mann in Ostdeutschland kennengelernt hatte. Baselitz übermalte und verfremdete diese Motive, entriss sie ihrem propagandistischen Kontext und verwandelte sie in etwas zutiefst Ambivalentes. Die Bilder handeln von Erinnerung, von der Unmöglichkeit, die eigene Vergangenheit neutral zu betrachten.
Die Neuverhandlung des eigenen Werks
Ab etwa 2005 begann Baselitz mit den sogenannten Remix-Arbeiten, in denen er zentrale Motive seines eigenen Frühwerks aufgriff und mit veränderter Technik neu malte. Gemälde aus den 1960er Jahren, etwa die Heldenbilder, erschienen nun in einer freieren, oft dünneren Malweise mit stärker aufgelösten Formen. Wo früher dicke Farbschichten die Leinwand bedeckten, arbeitete der ältere Baselitz mit transparenteren Aufträgen und größerer Leichtigkeit.
Diese Serien zeigen einen Künstler, der sein eigenes Werk nicht als abgeschlossen betrachtet, sondern als Material, das sich immer wieder neu befragen lässt. Es ist, als würde ein Musiker seine frühen Kompositionen mit dem Wissen und der Technik der Gegenwart noch einmal einspielen.
Stilmerkmale von Georg Baselitz
Die Stilmerkmale von Georg Baselitz lassen sich nicht auf eine einzelne Formel bringen, weil sich sein Werk über sechs Jahrzehnte hinweg immer wieder verändert hat. Dennoch ziehen sich bestimmte Grundprinzipien durch alle Werkphasen. Das offensichtlichste ist die Motivumkehr, also das Auf-den-Kopf-Stellen der dargestellten Gegenstände, die seit 1969 sein gesamtes malerisches Werk bestimmt.
Die Malerei selbst zeichnet sich durch einen starken, oft groben Farbauftrag aus, bei dem der Duktus, also die sichtbare Pinselspur, bewusst als Gestaltungselement eingesetzt wird. Seine Gemälde bevorzugen monumentale Formate und zeigen fragmentierte Körper, gebrochene Figuren und karge Landschaften. Die Farbpalette wechselt zwischen erdigen, dunklen Tönen und aggressiven, fast grellen Kontrasten, je nach Werkphase.
Ein weiteres Merkmal ist die bewusste Selbstreferenz. In den Remix-Serien greift Baselitz eigene frühere Motive auf und verarbeitet sie mit neuen Mitteln. Seine Holzskulpturen wiederum übertragen die rohe Expressivität der Malerei in den Raum, mit Oberflächen, die keine Glätte kennen. Über allem steht eine grundsätzliche Spannung zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen dem erkennbaren Gegenstand und seiner Auflösung.
Techniken und Materialien
Georg Baselitz arbeitet mit einem breiten Repertoire an Techniken, die sich gegenseitig ergänzen und durchdringen. In der Malerei verwendet er vorwiegend Öl auf Leinwand, seit den 1990er Jahren zunehmend auch Acrylfarben. Ein besonderes Verfahren entwickelte er, indem er die Leinwand auf dem Boden ausbreitete und darauf arbeitete, wodurch Spuren von Bewegung und gelegentlich Schuhabdrücke Teil des Bildes wurden.
Dieses Vorgehen erinnert an die Arbeitsweise von Jackson Pollock, dient bei Baselitz jedoch einem anderen Zweck. Es geht nicht um den kontrollierten Zufall, sondern um die körperliche Unmittelbarkeit des Malvorgangs. In der Druckgrafik nutzt er Radierungen, bei denen Linien in eine Metallplatte geritzt werden, Holzschnitte und großformatige Linolschnitte.
Die Holzschnitte stehen in der Tradition der deutschen Expressionisten und reduzieren die Motive auf starke Schwarz-Weiß-Kontraste, ein Verfahren, das an das Chiaroscuro, also die Hell-Dunkel-Malerei der alten Meister, anknüpft. Seine Skulpturen entstehen aus massiven Holzstämmen, die er mit der Kettensäge bearbeitet und anschließend farbig fasst oder in Bronze gießt.
Baselitz‘ Einfluss und Vermächtnis
Das Werk von Georg Baselitz entfaltete seine Wirkung in mehreren Richtungen gleichzeitig. Innerhalb der deutschen Kunstszene der 1960er und 1970er Jahre stellte seine Rückkehr zur Figur eine klare Gegenposition zum vorherrschenden Informel und zur Konzeptkunst dar. Während viele zeitgenössische Künstler den Gegenstand endgültig aufgaben, beharrte Baselitz auf dem menschlichen Körper als Motiv, allerdings in einer Form, die jede traditionelle Lesart verweigerte.
Professuren und die Weitergabe an jüngere Generationen
Baselitz lehrte als Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe (1977–1983) und an der Hochschule der Künste in Berlin (1983–2003). Über diese Professuren beeinflusste er eine Generation jüngerer Maler, die in den 1980er Jahren unter dem Begriff Neue Wilde oder Neo-Expressionismus bekannt wurden. Diese Epoche des Neoexpressionismus, die mit ihrem expressiven Farbauftrag und ihrer Rückkehr zum Gegenständlichen internationale Aufmerksamkeit erregte, wäre ohne die Vorarbeit von Baselitz kaum denkbar gewesen. Künstler wie Markus Lüpertz, A.R. Penck und Jörg Immendorff verfolgten verwandte Ansätze, wobei Baselitz‘ konsequente Motivumkehr eine Sonderstellung einnahm.
Sammlungen und internationale Präsenz
Werke von Baselitz befinden sich heute in den wichtigsten Sammlungen und Museen weltweit, darunter das Museum of Modern Art in New York, die Tate Gallery in London, das Centre Pompidou in Paris und zahlreiche deutsche Kunstsammlungen. Regelmäßige Teilnahmen an der documenta in Kassel und an der Biennale in Venedig festigten seinen internationalen Rang. Der Einfluss von Vorbildern wie Pablo Picasso, Alberto Giacometti und den Meistern der deutschen Romantik ist in seinem Werk erkennbar, doch Baselitz entwickelte daraus eine eigenständige Position, die sich keiner Schule zuordnen lässt.
Georg Baselitz Platz in der Kunstgeschichte
Georg Baselitz hat die figurative Malerei in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert. Seine Motivumkehr beeinflusste nicht nur die Neuen Wilden der 1980er Jahre, sondern regte auch spätere Generationen an, das Verhältnis von Gegenstand und Abstraktion neu zu denken. Maler wie Peter Doig oder Cecily Brown haben Baselitz‘ Idee weitergetragen, dass ein Bild gleichzeitig etwas zeigen und sich als Malerei behaupten kann. Sein Werk steht an der Schnittstelle von Expressionismus, Figuration und konzeptuellem Denken, eine Position, die in der Gegenwart aktueller wirkt denn je. Georg Baselitz lebt und arbeitet seit vielen Jahren zwischen Salzburg und Oberbayern und setzt sein Schaffen fort.
QUICK FACTS
- 1938: Geboren als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz, Sachsen
- 1956–1957: Studium an der Hochschule für bildende Kunst in Berlin-Weißensee (DDR), Relegation wegen „gesellschaftspolitischer Unreife“
- 1957–1962: Fortsetzung des Studiums an der Hochschule der Künste in West-Berlin bei Hann Trier
- 1961–1962: Annahme des Künstlernamens Georg Baselitz; Verfassen der Pandämonischen Manifeste gemeinsam mit Eugen Schönebeck
- 1963: Erste Einzelausstellung in der Galerie Werner & Katz in Berlin; Skandal und Beschlagnahmung von „Die große Nacht im Eimer“ durch die Staatsanwaltschaft
- 1965–1969: Entstehung der Heldenbilder und der Frakturbilder; 1969 erstes kopfstehendes Gemälde „Der Wald auf dem Kopf“
- 1977–2003: Professuren an der Staatlichen Akademie Karlsruhe (1977–1983) und der Hochschule der Künste Berlin (1983–2003); Teilnahmen an der documenta in Kassel
- 1979–1980: Erste Skulptur „Modell für eine Skulptur“; Ausstellung auf der Biennale in Venedig 1980
- 1998–2005: Beginn der Russenbilder (ab 1998) und der Remix-Serien (ab ca. 2005)
- Gegenwart: Lebt und arbeitet in Salzburg und Oberbayern; Ausstellungen 2024 unter anderem in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel
Erwähnte Künstler
Lust auf mehr? Hier findest du die im Text verlinkten Vorbilder, Zeitgenossen und Nachfolger mit eigenen Kurzbiografien.
- Ernst Ludwig Kirchner – Vorbild für Baselitz‘ expressiven Holzschnitt
- Erich Heckel – Einfluss durch die Brücke-Druckgrafik
- Jackson Pollock – Vergleichspunkt für Baselitz‘ Arbeit auf dem Boden
- Markus Lüpertz – Zeitgenosse mit verwandtem neo-expressivem Ansatz
- Pablo Picasso – Wichtiges Vorbild für Baselitz‘ figurative Deformation
- Alberto Giacometti – Prägend für Baselitz‘ Darstellung isolierter Figuren
- Peter Doig – Späterer Maler, beeinflusst von Baselitz‘ Bildbegriff
- Cecily Brown – Weiterführung der Spannung von Figur und Abstraktion