Cy Twombly
Es gibt Linien, die nichts abbilden wollen, und doch etwas festhalten. Bei Cy Twombly entstanden solche Linien über Jahrzehnte hinweg, zuerst in Amerika, dann vor allem in Italien, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte. Seine Bilder tragen Farbspuren und Zeichen, die an Graffiti erinnern, an hastige Notizen, an Verse, die jemand im Gehen hinwarf. Er kam aus Virginia, studierte in Boston und New York, doch die entscheidende Wendung vollzog sich anderswo, im Mittelmeergebiet, in der Nähe zu antiken Ruinen und einer Kultur, die älter war als jede Kunstbewegung. Was Twombly dort fand, ließ sich nicht in Epochen einordnen, es war eher ein Resonanzraum, in dem Malerei und Schrift sich berührten, ohne je ganz zusammenzufallen.
Wichtige Werke und Ausstellungen
Twomblys Schaffen umfasst Malerei, Zeichnung und Skulptur, wobei die Grenzen zwischen diesen Gattungen oft fließend blieben. Wiederkehrend sind gestische Linien, eingeschriebene Wörter und Verweise auf antike Stoffe, die nie als Illustration erscheinen, sondern als Echos im Bildraum. Viele Arbeiten entstanden in Werkzyklen, die sich über Monate oder Jahre entwickelten und erst im Zusammenhang ihre volle Wirkung entfalten.
- Untitled (1957) – Berardo Collection, Lissabon
- Nine Discourses on Commodus (1963) – Guggenheim Museum, New York
- Untitled (Bolsena) (1969) – Daros Collection, Zürich
- Untitled (Blackboard Series) (1970) – Museum of Modern Art, New York
- Fifty Days at Iliam (1978) – Philadelphia Museum of Art, Philadelphia
- Four Seasons (1993–1994) – Museum of Modern Art, New York
- Lepanto (2001) – Museum Brandhorst, München
- Bacchus (2005) – Privatbesitz
Cy Twomblys künstlerische Entwicklung
Die Biografie Cy Twomblys liest sich wie eine stetige Bewegung weg von Amerika und hin zum Mittelmeer, weg von der reinen Abstraktion und hin zu einer Malerei, die mit Schrift, Geschichte und Erinnerung arbeitet. Sein Studium in den USA legte die technischen Grundlagen, doch die entscheidenden Impulse kamen durch Reisen, Begegnungen und schließlich durch die bewusste Entscheidung, sein Leben in Rom zu verbringen. Diese Entwicklung vollzog sich über Jahrzehnte und durchlief mehrere klar unterscheidbare Phasen.
Frühe Phase und das Black Mountain College
Cy Twomblys künstlerische Laufbahn begann früh. Bereits als Jugendlicher in Lexington besuchte er einen Malkurs bei dem französisch-amerikanischen Maler Pierre Daura, der ihm erste Grundlagen vermittelte. Diese frühe Förderung war kein Zufall des Elternhauses, sein Vater war ein bekannter Sportler, doch die Familie unterstützte die künstlerische Neigung des Sohnes.
Studium in Boston und New York
Ab 1947 studierte Twombly an der School of the Museum of Fine Arts in Boston und anschließend an der Art Students League in New York. Dort begegnete er Robert Rauschenberg, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft und künstlerische Zusammenarbeit verband. Die Art Students League war in jenen Jahren ein Schmelztiegel für junge Künstler, die sich am Abstrakten Expressionismus orientierten, an der gestischen Energie eines Franz Kline oder der großflächigen Farbmalerei eines Robert Motherwell.
Twombly nahm diese Einflüsse auf, doch schon früh zeichnete sich ab, dass seine Interessen in eine andere Richtung wiesen. Wo die Vertreter des Action Painting, also der körperbetonten, gestischen Malerei, auf rohe Energie setzten, interessierte sich Twombly für die Verbindung von Zeichen, Schrift und malerischer Geste.
Die prägende Zeit am Black Mountain College
Ein Wendepunkt folgte 1951 am Black Mountain College in North Carolina. Diese experimentelle Kunstschule, die nur wenige Monate oder Jahre lang die wichtigsten Köpfe der amerikanischen Avantgarde zusammenbrachte, wurde für Twombly zum Katalysator. Er traf dort auf Kline und Motherwell als Lehrende sowie auf den Komponisten John Cage, dessen Ideen von Zufall und offenem Prozess ihn tief beeindruckten.
Die Atmosphäre am Black Mountain College war das Gegenteil eines klassischen Studiums. Hier ging es um Experiment, um das Aufbrechen von Grenzen zwischen den Künsten. Twombly entwickelte in dieser Umgebung seine ersten Arbeiten, die mit geschlossenen Augen oder im Dunkeln entstanden, eine Art Écriture automatique, also automatisches Schreiben, übertragen auf die Zeichnung. Die Hand bewegte sich über das Papier, ohne dass das Auge kontrollierte. Was dabei herauskam, waren keine Bilder im herkömmlichen Sinn, sondern Spuren eines körperlichen Prozesses.
Die Europareise mit Rauschenberg und die Abkehr von New York
1952 reisten Twombly und Rauschenberg gemeinsam durch Europa und Nordafrika, eine Reise, die Monate dauerte und Twomblys künstlerische Ausrichtung grundlegend veränderte. In Italien und Spanien, in Marokko und Tunesien begegnete er archaischen Kulturen, antiken Ruinen und einer Formensprache, die weit vor die europäische Kunstgeschichte zurückreichte. Diese Erfahrung öffnete ihm den Blick für primitivistische Formen, für Zeichen und Symbole, die älter waren als die griechische Antike.
Archaische Formen und die Entfernung vom Abstrakten Expressionismus
Die Zeichnungen, die während und nach dieser Reise entstanden, zeigen eine deutliche Veränderung. Statt der gestischen Abstraktion seiner New Yorker Zeit tauchten nun kryptische Symbole, graffitiartige Kratzer und Elemente auf, die an Höhlenmalerei oder nordafrikanische Schriftzeichen erinnerten. Twombly begann, die Oberfläche seiner Bilder wie einen Palimpsest zu behandeln, also wie ein altes Pergament, das mehrfach beschrieben und wieder abgeschabt wurde, sodass Spuren früherer Schichten durchschimmern.
Diese Arbeitsweise unterschied ihn von den meisten Vertretern des Abstrakten Expressionismus in Amerikas Kunstszene, die auf unmittelbare Wirkung und gestische Präsenz setzten. Twomblys Bilder forderten dagegen Geduld. Sie wollten gelesen, nicht nur betrachtet werden.
Der Umzug nach Rom und die mediterrane Sensibilität
1957 zog Twombly dauerhaft nach Rom. Dieser Schritt war eine bewusste Abkehr von der New Yorker Kunstszene und ihren Mechanismen. Während Rauschenberg und Jasper Johns in New York zu Hauptfiguren der Neo-Dada-Bewegung wurden, wählte Twombly eine Art freiwilliges Exil. In Rom fand er, was er suchte, die Nähe zur antiken Kultur, eine langsamere Lebensweise und eine Umgebung, die seine Beschäftigung mit Mythologie und Literatur nährte. Er heiratete die italienische Aristokratin Tatiana Franchetti und ließ sich in einem Palazzo nieder. Die Stadt wurde für Stunden, Tage und Jahre zum Resonanzraum seiner Kunst.
Die Blackboard Paintings und die Grey-ground Periode
In den 1960er-Jahren verdichtete sich Twomblys Bildsprache weiter. Ab etwa 1966 begann eine Phase, die als Grey-ground Periode bekannt ist, gekennzeichnet durch gedämpfte, graue Bildhintergründe, über die sich komplexe grafische Strukturen legten. Diese Arbeiten bereiteten den Boden für eine seiner bekanntesten Werkgruppen.
Die Blackboard Paintings als konzeptuelle Wende
Die Blackboard Paintings der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre gehören zu den ikonischsten Werken Twomblys. Die großformatigen Leinwände sind mit grauer Farbe grundiert, darüber ziehen sich Schleifen und Kreislinien in weißer Kreide oder Wachsfarbe, die an Schreibübungen auf einer Schultafel erinnern, oder an die Kritzeleien, die man auf Kneipentischen findet.
Die Geste wirkt gleichzeitig kindlich und meditativ, als würde jemand immer wieder denselben Schwung üben, ohne je ein Wort zu schreiben. Diese Bilder stehen an der Schwelle zwischen Lyrical Abstraction, also einer lyrisch-poetischen Form der Abstraktion, und konzeptueller Kunst. Sie fragen, was Schrift ist, wenn sie nichts mitteilt, und was Malerei ist, wenn sie aussieht wie Schrift.
Die Blackboard Paintings wurden zunächst kontrovers aufgenommen. Sammler und Kritiker in den USA reagierten verhalten, während europäische Sammler früher Zugang zu diesen Arbeiten fanden.
Literatur, Mythologie und die großen Zyklen
Ab den späten 1970er-Jahren wandte sich Twombly zunehmend großen Werkzyklen zu, die literarische und mythologische Quellen direkt in den Titel und die Bildstruktur einbanden. Dichter wie Rainer Maria Rilke, John Keats und Stéphane Mallarmé sowie antike Epen dienten ihm als Referenzrahmen, nicht als Illustration, sondern als emotionaler Grundton.
Fifty Days at Iliam und die Sprache des Epos
Der zwölfteilige Zyklus Fifty Days at Iliam von 1978, heute im Philadelphia Museum of Art, basiert auf Homers Ilias in der englischen Übertragung von Alexander Pope. Twombly übersetzte die Wucht des antiken Epos in Farbexplosionen, hastige Schriftzüge und wilde Pinselgesten. Einzelne Tafeln tragen Titel wie „Shades of Achilles, Patroclus and Hector“ oder „Heroes of the Achaeans“.
Die Figuren erscheinen nicht als dargestellte Körper, sondern als Energiefelder, als farbige Wirbel, die über die Leinwand rasen. Zwischen den Farbspuren stehen handgeschriebene Namen und Zahlen, wie Notizen am Rand eines Buches. Der Betrachter sieht keine Schlacht, aber er spürt ihre Bewegung.
Der Lepanto-Zyklus im Museum Brandhorst
Über zwei Jahrzehnte später entstand der Lepanto-Zyklus, den Twombly 2001 für die Biennale von Venedig schuf. Die zwölf großformatigen Gemälde, die die Seeschlacht von Lepanto 1571 zwischen der christlichen Heiligen Liga und dem Osmanischen Reich zum Thema haben, hängen heute im Obergeschoss des Museum Brandhorst in München, einer der wichtigsten Sammlungen seiner Werke weltweit.
Die Bilder zeigen keine Schiffe im realistischen Sinn, sondern rote, gelbe und blaue Formen, die wie Segel oder Flammen über türkisfarbene Flächen gleiten. Der gesamte Zyklus entwickelt eine Bewegung von links nach rechts, vom Aufmarsch über das Gefecht bis zur Stille danach. In der Pinakothek der Moderne, nur wenige Minuten entfernt, finden sich weitere Kontexte zur Kunst dieser Epoche.
Das farbenprächtige Spätwerk nach 1990
Ab den 1990er-Jahren vollzog sich in Twomblys Malerei eine auffällige Wende. Die gedämpften Grautöne und die karge Zeichenhaftigkeit der früheren Jahrzehnte wichen einer leuchtenden, fast üppigen Farbigkeit. Die Werkgruppe Four Seasons von 1993–1994, heute im MoMA, zeigt diese Verwandlung eindrücklich. Vier große Leinwände, jede einer Jahreszeit gewidmet, vereinen tropfende Farbkaskaden, kreisende Linien und vereinzelte Schriftfragmente zu einem Gesamtbild, das an die Zyklen der Natur erinnert.
Skulpturen und die Bacchus-Serie
Im Spätwerk gewannen auch die Skulpturen und die floralen Motive an Bedeutung. Twomblys plastische Arbeiten bestehen häufig aus einfachen Materialien wie Holz, Gips oder Fundstücken, die mit weißer Farbe überzogen und so ihrer ursprünglichen Funktion enthoben werden, ähnlich dem Prinzip des Übermalens in seiner Malerei. Sie erinnern an antike Fragmente, an Grabbeigaben oder Votivgaben, bewusst roh und unvollendet belassen.
Die Bacchus-Serie ab 2005 brachte eine beinahe ekstatische Dimension in sein Werk. Rote Farbschlieren laufen über die Leinwand wie vergossener Wein, die Geste ist wild, fast unkontrolliert. Gleichzeitig entstanden die Rosen-Gemälde, in denen leuchtende Blütenformen in Rosa, Rot und Grün über helle Hintergründe schweben, eine überraschende Zärtlichkeit im Werk eines Künstlers, der jahrzehntelang mit Grau und Weiß gearbeitet hatte. Auch die Fotografie spielte im Spätwerk eine Rolle. Twomblys Fotografien, oft mit einer Polaroidkamera aufgenommen und leicht unscharf, zeigen Stillleben, Interieurs und Blumen in einem weichen, fast verträumten Licht.
Stilmerkmale von Cy Twombly
Cy Twomblys Stil lässt sich an wenigen, aber unverwechselbaren Merkmalen festmachen, die sich über sein gesamtes Schaffen ziehen.
Seine Malerei basiert auf einer gestischen Linienführung, bei der schnelle, energische Striche über die Leinwand laufen. Diese Linien wirken wie spontane Kritzeleien, erzeugen aber eine rhythmische Struktur, die das gesamte Bild zusammenhält. Eng damit verbunden ist die Verschränkung von Schrift und Bild. Worte, Zahlen, einzelne Buchstaben oder ganze Verse tauchen als Zeichen im Bildraum auf, manchmal lesbar, manchmal nur als grafische Spur.
Diese Elemente erinnern an literarische Zitate, an Graffiti auf alten Mauern oder an persönliche Notizen, die jemand hastig hingeworfen hat. Thematisch griff Twombly immer wieder auf Mythologie, Literatur und Geschichte zurück, doch nie als Illustration. Die antiken Stoffe erscheinen als fragmentarische Hinweise, als Echos, die im Bild nachhallen, ohne eine geschlossene Erzählung zu liefern.
Viele seiner Gemälde sind großformatig oder als mehrteilige Serien angelegt. Diese monumentalen Kompositionen entfalten ihre Wirkung besonders im musealen Raum, wo der Betrachter von der Bildfläche umgeben wird und in den offenen Bildraum eintaucht, eine Erfahrung, die sich bei Einzelausstellungen besonders intensiv zeigt.
Techniken und Materialien
Twomblys technische Arbeitsweise ist ebenso vielschichtig wie seine Bildwelten und verdient einen genaueren Blick.
Er arbeitete mit Ölfarbe, Acryl, Bleistift, Wachskreide und Kugelschreiber auf Leinwand oder Papier, oft mehrere Medien auf derselben Fläche kombiniert. Die Farbe wurde teilweise dünn und lasierend aufgetragen, dann wieder in schnellen Bewegungen über die Oberfläche verteilt, sodass Tropfen und Rinnsale entstanden. Stellenweise kratzte er in die noch feuchte Farbe hinein oder überschrieb Farbschichten mit Bleistiftlinien, ein Vorgehen, das an die Technik des Palimpsests erinnert, bei dem ältere Textschichten unter neuen durchscheinen. Collageartige Elemente, etwa eingeklebte Papierstreifen oder Klebeband, ergänzen manche Arbeiten um eine weitere materielle Dimension.
Druckgrafik und skulpturale Arbeitsweise
In der Druckgrafik nutzte er Lithografie, Radierung und Siebdruck, wobei auch hier die Verbindung von gedruckter Linie und handschriftlicher Ergänzung typisch blieb. Seine Skulpturen wiederum entstanden aus Holz, Gips und Fundstücken, die er mit weißer Farbe überzog, eine Reduktion auf die reine Form, die bewusst an antike Fragmente aus dem Mittelmeergebiet denken lässt. Das Material war für Twombly nie nur Träger, sondern immer auch Bedeutungsschicht.
Twomblys Einfluss und Vermächtnis
Cy Twomblys Werk nahm innerhalb der Kunst nach dem Abstrakten Expressionismus eine Sonderstellung ein. Während viele seiner Zeitgenossen oder die Vertreter der Pop Art auf klare Bilder und Oberflächen setzten, verband Twombly Malerei mit Schrift, Erinnerung und kulturellen Referenzen. Seine Bilder funktionieren wie visuelle Gedichte, in denen Gesten, Wörter und Farben ineinander übergehen.
Rezeption und Wirkung auf nachfolgende Künstler
Die Rezeption seines Werks verlief lange gespalten. In den USA stieß seine Malerei zunächst auf Unverständnis. Kritiker der 1960er-Jahre taten seine Arbeiten als kindisches Gekritzel ab, unfähig, die Schichtung aus Kultur, Literatur und persönlicher Geste zu lesen. In Europa, besonders in Italien und Deutschland, fand er deutlich früher Anerkennung. Die Galerie Yvon Lambert in Paris und Sammler wie die Familie Brandhorst in München gehörten zu seinen wichtigsten Förderern.
Twomblys Einfluss auf nachfolgende Künstler zeigt sich vor allem in der Verbindung von Text und Bild, die er wie eine Brücke zwischen den Kunstgattungen schlug. Maler wie Anselm Kiefer griffen seine Methode auf, Schriftfragmente und literarische Verweise in großformatige Gemälde einzuweben. Die Idee, dass ein Bild gleichzeitig gelesen und betrachtet werden kann, dass es wie Kurt Schwitters‚ Collagen verschiedene Bedeutungsebenen überlagert, wurde durch Twomblys Werk zu einem zentralen Thema der zeitgenössischen Malerei. Auch jüngere Künstler wie Julie Mehretu oder Mark Bradford, die mit Schichtungen, Karten und Textfragmenten arbeiten, lassen Verbindungen zu Twomblys Bildverständnis erkennen.
Die Cy Twombly Gallery und institutionelle Verankerung
Ein besonderes Vermächtnis stellt die Cy Twombly Gallery in Houston dar, ein eigens für seine Werke entworfener Pavillon der Menil Collection, gestaltet vom Architekten Renzo Piano. Dieser 1995 eröffnete Bau bietet mit seinem gedämpften Tageslicht ideale Bedingungen, um Twomblys Arbeiten in jener Stille zu erleben, die sie fordern. Das Centre Pompidou in Paris widmete ihm 2016–2017 eine große Retrospektive, die sein Werk einem breiten europäischen Publikum näherbrachte. An der University of Virginia, nahe seinem Geburtsort, wird sein Nachlass betreut und erforscht.
Cy Twomblys Kunst steht am Übergang zwischen Abstraktem Expressionismus und einer poetischen Form der Konzeptmalerei, die man als Pittura colta bezeichnen kann, also als eine gelehrte Malerei, die Bildung und Sinnlichkeit verbindet. Er zeigte, dass abstrakte Kunst Geschichten erzählen, Gedichte zitieren und historische Erinnerungen aufrufen kann, ohne je gegenständlich zu werden. Diese Verbindung aus gestischer Freiheit und kultureller Tiefe öffnete einen Weg, den Künstler wie Anselm Kiefer, Julian Schnabel und eine ganze Generation konzeptuell arbeitender Maler weitergingen. Cy Twombly starb am 5. Juli 2011 in Rom im Alter von 83 Jahren.
QUICK FACTS
- 1928: Geboren am 25. April in Lexington, Virginia, als Edwin Parker Twombly Jr.
- 1947–1951: Studium an der School of the Museum of Fine Arts in Boston und der Art Students League in New York; Begegnung mit Robert Rauschenberg
- 1951–1952: Studium am Black Mountain College bei Franz Kline und Robert Motherwell; Begegnung mit John Cage
- 1952–1953: Europareise mit Robert Rauschenberg durch Italien, Spanien und Nordafrika; Auseinandersetzung mit archaischen Formen
- 1957: Umzug nach Rom; Heirat mit Tatiana Franchetti
- 1966–1971: Grey-ground Periode und Beginn der Blackboard Paintings; wachsende Anerkennung in Europa
- 1978: Fertigstellung des Zyklus Fifty Days at Iliam
- 1993–2001: Entstehung der Four Seasons und des Lepanto-Zyklus; Einzelausstellungen in internationalen Museen
- 1995: Eröffnung der Cy Twombly Gallery in der Menil Collection, Houston
- 2005–2011: Farbenreiches Spätwerk mit Bacchus-Serie und Rosen-Gemälden; Tod am 5. Juli 2011 in Rom
Erwähnte Künstler
Lust auf mehr? Hier findest du die im Text verlinkten Vorbilder, Zeitgenossen und Nachfolger mit eigenen Kurzbiografien.
- Franz Kline – Lehrer am Black Mountain College, Vorbild gestischer Malerei
- Robert Motherwell – Lehrender am Black Mountain College, Einfluss auf Frühwerk
- Jasper Johns – Zeitgenosse in der New Yorker Kunstszene der 1950er-Jahre
- Anselm Kiefer – Übernahm Verbindung von Schrift und großformatiger Malerei
- Kurt Schwitters – Vorläufer der Verbindung von Collage und Bedeutungsschichtung